Proteste gegen Regierung:Tausende marschieren erneut durch Hongkong

Proteste in Hongkong

Es wird weiter protestiert: ein Aktivist im Hongkonger Distrikt Admiralty

(Foto: AFP)
  • Nachdem die Regierung die Gespräche abgesagt hat, haben die Aktivisten in Hongkong neue Demonstrationen begonnen.
  • Peking kritisiert die "illegalen" Proteste.
  • Angesichts der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen fordert Studentenführer Wong Europa auf, Druck auf Peking auszuüben.

Tausende Demonstranten marschieren durch Hongkong

Tausende pro-demokratische Aktivisten haben einen neuen Protestmarsch durch die Hongkonger Innenstadt begonnen. Nach kurzfristig von der Regierung abgesagten Gesprächen wollten sie mit dem Vorgehen den Druck auf die Politiker erhöhen. Studentenführer hatten die Bürger der Stadt zuvor aufgerufen, jedes Stück Hongkongs in einer neuen Protestaktion zu blockieren. Der 17-jährige Studentenführer Joshua Wong rief seine Anhänger dazu auf, sich auf einen langen Kampf einzurichten.

Regierung in China gegen "illegale Aktivitäten"

Das Außenministerium in Peking verurteilte die Proteste. "Chinas Zentralregierung stellt sich entschlossen gegen jegliche illegale Aktivitäten in Hongkong", sagte Ministeriumssprecher Hong Lei in Peking. Gleichzeitig signalisierte Peking der Regierung in Hongkong Unterstützung. Die Zentralregierung stehe hinter dem rechtmäßigen Vorgehen der Beamten.

Studentenführer mahnt Unterstützung aus Deutschland an

Mit Blick auf die deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Freitag in Berlin appellierte Studentenführer Joshua Wong an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Demokratiebewegung in Chinas Sonderverwaltungsregion zu unterstützen. "Nur wenn Deutschland, Europa und die ganze Welt Druck auf China machen und für uns Solidarität zeigen, haben unsere Proteste eine Chance", sagte er der Bild-Zeitung. Deutschland dürfe nicht allein wirtschaftliche Aspekte im Zusammenhang mit China in den Vordergrund stellen.

Besuch aus Peking in Berlin

Unter dem Eindruck der Proteste kamen die Kabinette von Deutschland und China zu ihren dritten Regierungskonsultationen zusammen. Geplant ist die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens, mit dem eine Innovationspartnerschaft zwischen beiden Ländern ausgebaut werden soll. Darüber hinaus dürfte es um die Proteste in Hongkong gehen. Im Fall der in China festgenommenen Zeit-Mitarbeiterin fordert Berlin Aufklärung und steht in Kontakt mit den Behörden.

Chinas Regierungschef Li Kequiang hat bei seinem Berlin-Besuch eine Einmischung anderer Staaten in das Geschehen in Hongkong zurückgewiesen. Das Thema gehöre zur "Innenpolitik Chinas". Alle Länder müssten diese Souveränität respektieren. Li sprach der Führung der Sonderverwaltungszone Hongkong sein Vertrauen aus. "Sie wird die Einwohner der Stadt vor Verletzung und Sachschäden schützen", sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, sie hoffe weiterhin auf einen friedlichen Verlauf der Demonstrationen, und "dass man auch dann Lösungen findet, die die Bevölkerung in Hongkong zufriedenstellen".

Proteste im Kampf um freie Wahlen

Die seit zwei Wochen anhaltenden Proteste hatten sich an den Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie 1997 an China wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

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