Proteste gegen Misswirtschaft:"Brasilien ist heute aufgewacht"

Enkel, Eltern und Großvater singen mit brasilianischer Flagge die Nationalhymne und verteidigen ein besseres Land. Brasilien ist stolz auf sie". Ihre Regierung höre "diese Stimmen des Wandels", betonte sie. "Die Stimmen der Straße wollen mehr: Mehr Bürgersinn, mehr Gesundheit, mehr Erziehung, mehr Transport, mehr Chancen. Meine Regierung will auch mehr."

Sie meinte das Angebot zur Versöhnung wohl auch ernst. Die Rebellion an der Basis muss Dilma Rousseff und Luiz Inácio da Silva im Innersten treffen, denn dies war früher ihr Metier. Als junge Aktivistin gegen das Regime schloss sich die Ökonomiestudentin Rousseff Ende der Sechzigerjahre der Guerilla an, sie wurde verhaftet und gefoltert. Der Dreher Lula ging zunächst als Gewerkschaftsführer gegen die Generäle auf die Barrikaden und gründete 1980 die Arbeiterpartei PT, der Widerstand gegen die Macht ist beider Ursprung.

2003 wurde der gezähmte Revoluzzer Lula Präsident. 2011 löste ihn seine Wunschnachfolgerin Rousseff ab, er durfte und wollte nach zwei Amtszeiten nicht mehr. Beide bezwangen Krebserkrankungen, und die zunächst so spröde Rousseff wurde bald fast so beliebt wie der Volksheld Lula.

Brasilien wurde durch Öl zum Erfolgsstaat

Ein Jahrzehnt lang führt die PT nun bereits das Kommando, Anfang Januar 2013 war Jubiläum. In dieser Zeit stieg das einst verschuldete, hyperinflationäre und chaotische Brasilien zum Erfolgsstaat auf, bekam WM und Olympia zugesprochen, verwandelte Millionen Bedürftige in konsumfreudige Kunden und entdeckte Ölfelder vor der Küste.

Ihre Wahlerfolge feierte die PT gerne auf der Avenida Paulista von São Paulo - zwischen den Bürotürmen der Hochfinanz, die einst ihr Feind gewesen war und später ihr Verbündeter. Jetzt ziehen da auf einmal die Empörten durch die Häuserschluchten, Kinder der Mittelschicht.

Nicht mal der Skandal um den Stimmenkauf im Parlament hatte der Führung so zugesetzt. Während der Ära Lula wurden bei wichtigen Abstimmungen oppositionelle Abgeordnete bestochen, die Affäre stürzte mehrere PT-Granden. Nachfolgerin Rousseff kehrte mit eisernem Besen und entließ mehrere Minister wegen Kleptomanie, auch das machte sie populär.

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