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Proteste gegen Krümmel:"Geschlossen wegen Unzuverlässigkeit"

Während Experten weiter nach der Ursache für den Störfall suchen, hat Greenpeace das Eingangstor zum AKW Krümmel versperrt und übt scharfe Kritik am Betreiber Vattenfall.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Montagvormittag das Einfahrtstor zum abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel versperrt. Augenzeugen berichteten, dass sich mehrere Aktivisten an das Eisentor ketteten. Auf einem Schild hieß es: "Geschlossen wegen Unzuverlässigkeit". Die Polizei griff zunächst nicht ein.

Bereits am vergangenen Samstag haben Kernkraftwerkgegner für die Stilllegung des Atomkraftwerkes demonstriert.

(Foto: Foto: dpa)

Greenpeace fordert von der Atomaufsicht des Landes Schleswig-Holstein, Vattenfall die Lizenz zum Betreiben von Atomkraftwerken zu entziehen und den Reaktor Krümmel endgültig stillzulegen.

"Was Vattenfall hier veranstaltet, ist grob fahrlässig. Die Atomaufsicht in Kiel kann gar nicht anders, als dem Konzern die Lizenz zum Betreiben von AKW zu entziehen", sagt Mathias Edler, Atomexperte von Greenpeace. "Jede andere Entscheidung wäre ein Skandal."

Das Kraftwerk ist seit einem Transformator-Kurzschluss am Samstag auf unabsehbare Zeit abgeschaltet. Nach der Panne kam es zu schweren Störungen im Stromnetz von Hamburg und Teilen von Schleswig-Holstein.

Nach dem neuerlichen Störfall im Atomkraftwerk Krümmel setzten Experten am Montag die Suche nach der Ursache fort. Anders als Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geht die Atomaufsicht in Kiel indes davon aus, dass ein Wiederanfahren des Meilers nicht zustimmungspflichtig ist. Eine Sprecherin des Betreibers Vattenfall sagte der dpa, der Reaktor werde aber nur in enger Abstimmung mit der Atomaufsicht wieder angefahren. Die schleswig-holsteinischen Atomaufsicht will jedoch die Zuverlässigkeit des AKW-Betreibers Vattenfall prüfen lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält ungeachtet des jüngsten Störfalls im Atomkraftwerk Krümmel an ihrer Forderung nach einer längeren Nutzung der Kernenergie fest. Merkel sehe in den Pannen keinen Grund, ihre Haltung zu ändern, dass die Nuklearenergie sowohl zum Export als auch als Brückenenergie auf absehbare Zeit unverzichtbar sei, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin.

Anders als im Atomausstiegs-Gesetz vereinbart dürfe die weitere Nutzung der Atomenergie nach Ansicht der Kanzlerin nicht ausgeschlossen werden, betonte Steg.

Merkel lehnte auch den Vorstoß von Umweltminister Sigmar Gabriel ab, die Kontrolle der Atomkraftwerke in Deutschland einheitlich dem Bund zu unterstellen. Das System der geteilten Zuständigkeiten von Bund und Ländern bei der Atomaufsicht habe sich bewährt und sei auch bei einer Überprüfung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) im vergangenen Jahr ausdrücklich gelobt worden, sagte Steg. Deshalb solle daran festgehalten werden.

Gabriel hatte zuvor eine zentrale Bundesaufsicht über alle noch betriebenen 17 Atomreaktoren in Deutschland gefordert. Dies sei angesichts der Schwierigkeiten nötig, in einigen Ländern normales Atomrecht durchzusetzen, sagte der Minister unter Verweis auf Probleme mit dem unionsgeführten Niedersachsen. "Das Gezerre zwischen Bund und Ländern gibt es nirgendwo in der Welt, es muss eine einheitliche Atomverwaltung her", sagte Gabriel.

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