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Proteste in Lateinamerika:Hoffnung für eine geschundene Weltregion

International Women's Day in Buenos Aires

Großdemonstration vor dem Parlament in Buenos Aires zum Internationalen Frauentag

(Foto: Mariana Greif/Reuters)

Hunderttausende Frauen gehen von Buenos Aires bis Mexiko-Stadt auf die Straße, viele bleiben der Arbeit fern: Der Aufstand der Feministinnen erschüttert Lateinamerika - und verändert längst die dortige Politik.

Lateinamerika ist eine geschundene Weltgegend, aus der zuletzt wenig gute Nachrichten kamen. Die vergangenen zwei Tage aber geben Anlass zur Hoffnung. Von Buenos Aires bis Mexiko-Stadt gingen am Sonntag Hunderttausende Frauen auf die Straße. Am Montag dann blieben etliche von ihnen der Arbeit fern, um zu zeigen: So geht es nicht weiter mit der männlichen Gewalt, die diese Region ruiniert.

Das Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern ist fast nirgendwo so dramatisch wie in Lateinamerika. Schlimm genug, dass in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Ex-Partner getötet wird. In Mexiko gibt es solche und andere Femizide zehn Mal am Tag. Drei Frauen und ihre Kinder, regelrecht hingerichtet von einer Drogenbande? Eine Journalistin, erstochen von ihrem Freund? Ein junges Mädchen, verschleppt, ermordet und verstümmelt? All diese und noch viele weitere grausame Verbrechen wurden in den vergangenen Monaten gegen Frauen verübt.

Es schien einmal, Lateinamerika sei schon weiter

Hinzu kommen vorsintflutlich anmutende Gesetze. Mütter, die in El Salvador eine Fehlgeburt erleiden, müssen in vielen Fällen ein paar Jahre ins Gefängnis. In nahezu allen anderen lateinamerikanischen Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche verboten. Schließlich ist da noch der weit verbreitete Machismo, der in Frauen nichts als Kinderbetreuerinnen und Sexualobjekte sehen will.

Es schien einmal, dass Lateinamerika schon weiter sei. 2014 wurden vier wichtige Länder der Region von Frauen regiert: Dilma Rousseff in Brasilien, Christina Kirchner in Argeninien, Laura Chinchilla in Costa Rica, Michelle Bachelet in Chile. Nachhaltig verschieben aber konnten oder wollten sie das Machtungleichgewicht nicht. In Chile und Brasilien etwa regieren längst wieder politisch rechtsgerichtete Herren, die nicht viel auf gesellschaftlichen Fortschritt geben.

Die Lateinamerikanerinnen aber lassen sich das alles nicht mehr bieten, sie treiben die Herren nun vor sich her. Längst haben sie begonnen, die Politik zu verändern. In Argentinien und Kolumbien laufen Initiativen zur Lockerung der Abtreibungsgesetze. In Mexiko sorgte die Gewalt an Frauen für einen Aufschrei, der weltweit Gehör fand. In Chile schließlich spielten die Feministinnen im Herbst eine wichtige Rolle bei den Protesten gegen die Regierung. Die aus der Diktatur stammende, ungerechte Verfassung wird in diesem Frühjahr wohl abgeschafft. Davon profitieren alle in Chile - natürlich auch die Männer.

© SZ.de/bepe/jsa
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Von Benedikt Peters

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