Protestaktion am Flughafen Ben Gurion Israel schiebt 36 Palästina-Aktivisten ab

Aus dem Flugzeug ins Gefängnis: In Tel Aviv sitzen mehr als 80 propalästinensische Aktivisten aus Europa fest, darunter auch Deutsche. Israel will die Demonstranten so schnell wie möglich loswerden - die Ersten sind nun ausgeflogen worden.

Israel hat Medienberichten zufolge am Sonntagabend 36 pro-palästinensische Aktivisten abgeschoben. Dies berichtete die Zeitung Jerusalem Post. Damit sitzen noch 82 Aktivisten in israelischer Haft und warten auf ihre Abschiebung. Nach Angaben des israelischen Innenministeriums werden sie in den nächsten Tagen ausgeflogen. Alle waren bei der Einreise festgenommen worden.

Ein israelischer Aktivist nach seiner Festnahme auf dem Flughafen Ben Gurion - eigentlich wollte er andere propalästinensischen Mitstreiter begrüßen und mit ihnen in Richtung Westjordanland weiterreisen.

(Foto: Getty Images)

Laut Auswärtigem Amt waren unter den betroffenen Aktivisten auch 13 Deutsche. Sie seien von der Botschaft in Tel Aviv konsularisch betreut worden. Zwei weitere Deutsche seien wieder auf freiem Fuß. Wie der israelische Rundfunk meldete, hatten sie sich schriftlich verpflichtetet, nicht an Ruhestörungen teilzunehmen.

Hunderte propalästinensischer Aktivisten hatten sich am Freitag auf den Weg nach Israel machen wollen, um sich auf Einladung der Initiative "Willkommen in Palästina" ein Bild von der Lage im Westjordanland zu machen. Die Organisatoren planten aber auch Proteste gegen die israelische Sperranlage zum Westjordanland sowie Siedlungen.

Israel betrachtet die Besucher als "propalästinensische Radikale", die Ruhe und Ordnung stören wollen. Etwa 230 Frauen und Männer durften ihren Flug überhaupt nicht antreten, weil das israelische Innenministerium europäischen Fluggesellschaften wie der Lufthansa eine Schwarze Liste mit den Namen von 342 Personen überreicht hatte, denen die Einreise verweigert werde.

Nach Berichten von Teilnehmern gelang es jedoch mindestens zwei Deutschen, trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Ben Gurion anzukommen. Sie hätten sich als Touristen ausgegeben, um später über die Ereignisse informieren zu können, sagte ein Mitglied der Gruppe, das aus Angst vor einer Festnahme anonym bleiben wollte. Auch 50 bis 100 weiteren Aktivisten aus Europa und den USA sei die Einreise geglückt, sagte der Sprecher der Initiative "Willkommen in Palästina", Fadi Kattan, in Bethlehem.

Israel wertete das Vorgehen der Sicherheitskräfte am internationalen Flughafen Ben Gurion am Sonntag als Erfolg. "Wir haben die Provokation verhindert", sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem. Außenminister Avigdor Lieberman sagte dem israelischen Rundfunk, die Gaza-Flotte und die "Flightilla" hätten sich "aufgelöst wie eine Wolke an einem Sommertag".