Protest in North Dakota Warum so viele Facebook-Nutzer in einem Indianerreservat sind

Nachfahren amerikanischer Ureinwohner und Aktivisten demonstrieren gegen eine geplante Ölpipeline in der Nähe des Reservats Standing Rock in North Dakota.

(Foto: REUTERS)

Oder jedenfalls so tun. Tatsächlich ist die Ortsangabe "Standing Rock" politischer Protest - und soll die Polizei verwirren.

Von Sebastian Jannasch

Viele Facebook-Nutzer wundern sich zurzeit über die plötzliche Reisefreudigkeit ihrer Freunde. In den vergangenen Tagen haben Zehntausende auf dem sozialen Netzwerk angegeben, sich in "Standing Rock, North Dakota" aufzuhalten. Tatsächlich waren wohl die allerwenigsten in dem Reservat der amerikanischen Ureinwohner in den Bundesstaaten North und South Dakota. Sich auf Facebook als Besucher zu markieren, ist ein politischer Protest.

In der Nähe von Standing Rock ist eine Ölpipeline durch das Stammesgebiet der Sioux-Indianer geplant. Die Ureinwohner fürchten, dass das für sie heilige Land zerstört und ihre Wasserversorgung gefährdet wird. Schon seit Wochen kommt es immer wieder zu teils gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und den Behörden. Allein am vergangenen Freitag wurden 142 Menschen festgenommen.

Die Aktion auf Facebook soll die Polizei verwirren

Um die Demonstranten zu unterstützen, läuft seit einigen Tagen die ungewöhnliche Solidaritätsaktion auf Facebook, sich als Besucher des Reservats einzuloggen. Ausgelöst hatte das weltweite Phänomen ein Beitrag auf dem sozialen Netzwerk, in dem ein Nutzer behauptete, die Polizei nutze die Eincheck-Funktion der Plattform dazu, um gezielt Demonstranten zu identifizieren.

Auf dieses Gerücht haben mittlerweile Zehntausende Unterstützer des Protests reagiert. Um die Beamten zu verwirren, geben sie nun an, sich in Standing Rock zu befinden, obwohl sie nie da waren. Facebook verifziert nicht, ob der angegebene Ort mit dem tatsächlichen Standort des Internetzugangs übereinstimmt. Derzeit haben sich schon mehr als 300 000 Nutzer mit der Ortsangabe Standing Rock eingecheckt.

Ob diese virtuelle Solidaritätsbekundung den Sicherheitsbehörden tatsächlich die Ermittlungen verdorben hat, lässt sich nicht sicher sagen. Der zuständige Sheriff im Bezirk Morton County dementierte seinerseits auf Facebook das Gerücht, die Ortsmeldungen in dem sozialen Netzwerk würden genutzt, um die Demonstranten zu überwachen.

Mit dem Vorwurf, Protestierende im Internet zu bespitzeln, erreicht die Auseinandersetzung einen neuen Höhepunkt. Der Protest gegen die umstrittene Ölpipeline laufen bereits seit Monaten.

Inzwischen haben sich auch schon zahlreiche Prominente mit den Ureinwohnern solidarisiert. So unterstützt zum Beispiel der aus dem Film "Thor" bekannte Hollywood-Star Chris Hemsworth den Protest.

Auch US-Schauspieler Mark Ruffalo ("Die Unfassbaren") hat sich gegen das 3,7 Milliarden Dollar teure Pipeline-Projekt ausgesprochen. Schauspielerin Shailene Woodley wurde sogar festgenommen, als sie mit den Indianern protestierte.

Die Pipeline soll von North Dakota an der kanadischen Grenze durch mehrere Bundesstaaten bis nach Illinois führen. Die Ureinwohner protestieren gegen die geplante Route, weil die Pipeline auch den Missouri River queren soll, der den Ureinwohnern als wichtige Wasserquelle dient. Sie befürchten, dass dadurch ihr Wasser verschmutzt werden könnte sowie heilige Stätten und Gräber ihrer Vorfahren zerstört werden.

Die US-Regierung hat den Betreiberkonzern Energy Transfer Partners schon aufgefordert, die Arbeiten freiwillig ruhen zu lassen. Gerichte genehmigten jedoch den Weiterbau der Pipeline.

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