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Protest gegen TTIP und Ceta:In München kommen 23 000 Demonstranten - trotz Dauerregen, Wiesn und FC Bayern

In München könnte die Ausgangslage für die Gegner von TTIP und Ceta nicht schwieriger sein. An diesem Samstag konkurrieren sie mit der Wiesn-Eröffnung, und in der Arena spielt der FC Bayern. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Fast hätten die Veranstalter die Großdemo deshalb nach Nürnberg verlegt. Soweit ist es nicht gekommen. Der Ort vor der Staatskanzlei war dann doch symbolträchtiger.

Und gemessen an den Startbedingungen sei die Aktion in München ein "irrer Erfolg", sagt Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz. Nach Polizeiangaben haben am Münchner Odeonsplatz 23 000 Menschen gegen Freihandel demonstriert, trotz des Dauerregen. Das sind mehr als ursprünglich erwartet. Karl Bär vom Münchner Umweltinstitut, der die erste Rede hält, wird deshalb sagen: "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Handelsabkommen".

Wie viele Redner nach ihm kritisiert Bär das Ceta-Abkommen scharf. Damit mache die EU-Kommission Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Denn: "In keinem Land der EU gibt es eine Mehrheit für Gentechnik".

SPD-Europaabgeordnete fordert von Gabriel ein Nein zu Ceta

Die Freihandelsgegner recken ihre bunten Transparente, Plakate und Banner in die Luft. Immer wieder sieht man selbstgebastelte gelbe Ortschilder. Sie sollen zeigen: Die Leute, die hier demonstrieren, kommen aus ganz Bayern. Aus Landshut, aus Rosenheim, aus Augsburg. Auf der Ludwigstraße, vor der Universität, wo an normalen Samstagen der Verkehr brummt, parken jetzt 34 Busse. Mit ihnen sind die Demonstanten nach München gekommen.

Es ist ein breiter Ausschnitt aus der Bevölkerung, der sich da versammelt hat: Rentner, Familien, Jugendliche. Gleich zu Beginn macht Renate Börger vom globalisierungskritischen Bündnis Attac klar: Sie alle seien keine Handelsfeinde. "Wir sind für mehr Gerechtigkeit."

Die Veranstalter schicken auch eine Grußbotschaft an die Flüchtlinge, die zwei U-Bahn-Stationen weiter am Sendlinger Tor ein Protestcamp aufgeschlagen haben. Von rechten Strömungen, die die Anti-TTIP-Bewegung für sich vereinnehmen möchten, wolle man sich klar abgrenzen.

Neben vielen energischen Reden gibt es einen kurzen "Parteientalk". Natürlich ist das Publikum besonders gespannt, was Maria Noichl, die SPD-Europaabgeordnete, zu sagen hat. Und die wird sehr deutlich. Sie fordert von ihrem Parteichef Sigmar Gabriel ein kompromissloses "Nein zu Ceta". Das sei die klare Ansage an Wolfsburg. Noichl redet sich fast ein bisschen in Rage, jedenfalls lässt sie keinen Zweifel: die SPD-Basis in Bayern will die Freihandelsabkommen nicht.

Als in Hamburg der Rundmarsch vorbei ist, ist auch wieder Leben auf der Bühne. Und Constanze Klinghammer zeigt auf ihrem Handy die Zahlen der veranstaltenden Organisationen zum Tage: Demnach waren in Berlin 70 000 Demonstranten zusammengekommen, in Hamburg 65 000 und insgesamt 320 000. Laut Polizei waren es bundesweit 210 000, in Hamburg immerhin 30 000.

Der Widerstand jedenfalls, der hatte viele Köpfe an diesem Samstag. Und als die Ceta- und TTIP-Kritiker um 17 Uhr auseinander gehen, hoffen sie, dass dieses Zeichen vor allem bei der SPD angekommen ist.

© SZ.de/sekr/tba

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