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Protest gegen Obamas Drohnen-Politik:Shakespeare und "Der Pate"

Paul geht in seinem Vortrag auf den Klassiker "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll ein, in dem die Königin sich das Recht vorbehält, ihre Untertanen zu verurteilen. Er verweist auf die Weimarer Republik und das Chaos, das durch die wirtschaftliche Schwäche und die Inflation entstand und den Aufstieg des Diktators Adolf Hitler ermöglicht habe: "Ich sage nicht, dass jemand in unserem Land Hitler ist. Niemand ist so böse, aber in einer Demokratie könnte ein böser Mensch gewählt werden, weshalb das Gesetz gelten muss und jeder durch das Parlament überwacht werden muss." ( Video hier)

Mehrere republikanische Senatoren kommen Paul nach etwa drei Stunden zu Hilfe und geben ihm die Möglichkeit durchzuatmen, indem sie Fragen stellen beziehungsweise minutenlang ihre Meinung zum Thema wiedergeben. Ted Cruz erinnert daran, dass Rand Paul in Texas aufwuchs und die Texaner vor genau 177 Jahren Alamo erobert hätten. Danach zitiert er nicht nur Shakespeare, sondern auch aus dem Hollywood-Klassiker "Patton".

Den Rekord kann er nicht brechen

Auch zwei Demokraten gehen an diesem denkwürdigen Tag ans Mikrofon: Ron Wyden, Senator aus Oregon, und Dick Durbin aus Illinois, die Nummer zwei der Partei im Senat. Wyden dankt Paul dafür, dass dieser dem Thema Drohnen so viel Aufmerksamkeit widme. Zwar kündigt er an, dass er für Obamas Wunschkandidaten John Brennan votieren werde, doch er wiederholt die Klagen vieler Abgeordneter, die sich miserabel vom Weißen Haus informiert fühlen.

Den ewigen Rekord des Filibuster konnte Paul am Ende nicht brechen: 1957 redete Strom Thurmond aus South Carolina 24 Stunden und 18 Minuten lang, weil er verhindern wollte, dass Afroamerikaner mehr Bürgerrechte bekommen. Thurmond scheiterte - und auch der Senator aus Kentucky weiß, dass er am Ende nicht gewinnen wird, da mehr als 60 der 100 Senatoren zügig über die Personalie Brennan abstimmen wollen.

Doch am Ende hat Rand Paul zwei Dinge erreicht: Er hat das Thema Drohnen erneut in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gerückt und die eigene Bekanntheit enorm gesteigert. Der studierte Augenarzt überlegt ernsthaft, 2016 als Präsidentschaftskandidat der Republikaner anzutreten und würde damit seinem Vater Ron folgen. Der langjährige Abgeordnete aus Texas, der bekannteste Vertreter libertärer Ideen in den USA, verfügt vor allem bei jungen Amerikanern über eine große Anhängerschaft.

Rand Pauls Programm erinnert an seinen kauzigen Vater und ist doch etwas pragmatischer. So will er sich etwa für die Legalisierung von Marihuana, eine weniger aggressive US-Außenpolitik, eine Einwanderungsreform sowie die Verlagerung von mehr Kompetenzen auf die Bundesstaaten einsetzen. Paul, der seit 2011 im Senat sitzt, wird von der Tea Party unterstützt und antwortete im Februar für die Bewegung auf Obamas "Rede zur Lage der Nation".

Nicht nur die Washington Post hält Paul für einen "Politiker, der nicht leicht zu lesen ist". Sprich: Seine Taktik folgt nicht den üblichen Washingtoner Ritualen, was ihn im parteiinternen Streit zu einer Gefahr für die auf Kontrolle bedachten Strategen machen könnte. Eines lässt dieser Redemarathon, der nach 12 Stunden und 52 Minuten endete, aber vermuten: Es wird nicht die letzte Überraschungsaktion des Senators aus Kentucky gewesen sein.

Linktipp: Das Transkript der Dauer-Rede von Rand Paul ist auf seiner Senats-Website nachzulesen.