Stadtführungen im Reich des Bösen

Jetzt war die LSE dran. Mitte der Woche besetzten etwa 40 Studenten einen Raum der Universitätsverwaltung an der London School of Economics and Political Science. Sie protestieren damit unter anderem gegen die gesalzenen Studiengebühren. Ihr Motto: "Occupy LSE".

Es ist schon drei Jahre her, dass die Polizei das Zeltlager der Occupy-Aktivisten an der St.-Paul's-Kathedrale in Londons Finanzdistrikt räumte. Aber die Bewegung ist deswegen nicht verschwunden. Occupy London besteht weiter als loser Verbund von Protestgruppen, die sich verschiedenen Themen widmen. <FG><FG>Die Mitglieder tauschen sich über die Internetseite von Occupy London aus oder auf Vollversammlungen, welche die Bewegung immer noch abhält. Auch die kleine Zeitung The Occupied Times of London hat überlebt, die in den ersten Tagen der Besetzung von St. Paul's gegründet wurde. Die jüngste 20-seitige Ausgabe ist allerdings ein halbes Jahr alt. Die Gruppe, die im Moment wohl am meisten auf die Beine stellt, ist Occupy Democracy. Sie besetzte im Oktober kurzzeitig den Parliament Square, den Platz vor dem Palace of Westminster, in dem die Abgeordneten tagen. Vom 1. bis 10. Mai wollen die Aktivisten dort wieder c<NM1>k<NM>ampieren - viel Medienecho wird ihnen sicher sein, denn am 7.<TH>Mai wählen die Untertanen Ihrer Majestät ein neues Parlament. Occupy Democracy beklagt, Banken und Konzerne nähmen zu viel Einfluss auf die Volksvertretung.

Teil der Occupy-Bewegung ist auch eine Gruppe, die kostenlose Stadtführungen anbietet. Occupy London Tours nennt sie sich, und bei den Spaziergängen durch das neue Bankenviertel Canary Wharf und das alte Finanzzentrum, die City of London, erfahren die Teilnehmer, wo welches Institut sitzt und was seine Rolle in der Finanzkrise war. Eine Tour durch den Stadtteil Mayfair widmet sich Hedgefonds.

Unter dem Schlagwort Occupy findet also weiterhin vieles statt in London. Doch Einfluss auf die Politik oder die öffentliche Meinung zu nehmen, gelang der Bewegung nicht: Im Wahlkampf spielen Occupys antikapitalistische Forderungen keine Rolle. Björn Finke

Bild: Getty Images 22. März 2015, 11:032015-03-22 11:03:08 © SZ vom 21.3.2015/mest