"Den Sinn hinter brennenden Autos sehe ich nicht"

Thomas Occupy, 55, glaubt nicht an hierarchiefreie Systeme. Trotzdem engagiert er sich seit dem Jahr 2011 bei den Kapitalismusgegnern. Drei Mal sei er reich gewesen. Was in der Zwischenzeit passiert ist, wie er wirklich heißt und wovon er heute lebt, sagt er nicht:

"Innerhalb der Occupy-Bewegung haben wir in Frankfurt vergleichsweise viel Einfluss - hier steht nun mal die EZB-Zentrale. Wir arbeiten immer ohne hierarchische Strukturen, deshalb bin ich zwar Sprachrohr, rede aber immer als Aktivist. Was uns alle eint, ist das Gefühl der Ungerechtigkeit. Bei uns gehen Millionäre neben Arbeitslosen auf die Straße, weil sie alle finden, dass es so nicht weitergeht.

Als wir 2011 über einen Forderungskatalog nachdachten, haben wir basisdemokratisch Ideen zusammengetragen. Es kamen mehr als 140 Punkte zusammen. Da ging es um Machteliten, Realwirtschaft oder Imperialismus. Wir verstanden, dass es zu komplex ist. Deshalb, und wegen der Hierarchielosigkeit, vertritt Occupy keine konkreten politischen Forderungen.

Was Occupy heute noch ausmacht, ist einerseits das Label und andererseits die Idee in den Köpfen. Es würde ein Aufruf genügen und sofort hätten wir eine neue Asamblea, also eine Versammlung aller interessierten Occupy-Aktivisten.

Unser Ziel war, ist und bleibt es, die Entscheidungsträger dazu zu bringen, langfristig und im Sinne des Gemeinwohls zu handeln. Deshalb waren wir von Anfang an bei Blockupy: Als Bündnis haben wir mehr Einfluss. Den tieferen Sinn hinter brennenden Autos sehe ich - wie so viele - nicht. Aber es verschafft uns nun mal auch Raum in der öffentlichen Wahrnehmung."

Protokoll: Hanna Maier

22. März 2015, 11:032015-03-22 11:03:08 © SZ vom 21.3.2015/mest