Propaganda in Russland und der Ukraine Wie mit zwei Schicksalen Krieg geführt wird

Prorussische Seperatisten verfolgen in Donezk eine TV-Ansprache von Präsident Wladimir Putin (Archivbild vom 29. Mai 2014).

(Foto: AFP)

Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko sitzt in russischer Haft, der russische Journalist Andrej Stenin wird in der Ukraine vermisst. Beide Schicksale werden in Kiew und Moskau instrumentalisiert - von den Medien und der Politik, die auf emotionale Bilder setzen.

Von Frank Nienhuysen und Julian Hans, München/Moskau

Das Video dauert 90 Sekunden und ist in fünf Sprachen übersetzt. Es steht auf der Internetseite des ukrainischen Außenministeriums und zeigt Bilder der Kampfpilotin Nadja Sawtschenko, mal behelmt und in Uniform, mal privat und geschminkt, bei einer Befragung durch Separatisten, und auch in einem russischen Gerichtssaal. Und es endet mit den Worten aus dem Off: "Nadja, du bist unsere Heldin. Die Ukraine und die ganze freie Welt stehen dir bei."

Die ukrainische Regierung macht sich Sawtschenkos Popularität in ihrer Heimat zu nutze. In Russland aber erhält Andrej Stenin nicht weniger Aufmerksamkeit.

Rund um die Uhr blendet der russische Nachrichtenkanal Rossija 24 links unten auf dem Bildschirm ein Foto des Journalisten ein und dazu den Hashtag #freeAndrew, abwechselnd auf Russisch und Englisch. Das Stichwort ist seit Tagen ganz oben in den Trends der am häufigsten benutzten Begriffe im russischsprachigen Twitter.

Seit Rossija 24 Ausschnitte aus dem Video von der Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch die IS-Terroristen zeigt, scheint die Bedrohung für den seit mehr als zwei Wochen in der Ostukraine verschollenen Fotografen noch größer geworden zu sein. Auch wenn zwischen beiden Konflikten keine Verbindung besteht - die Bilder stellen sie her.

Zwei Schicksale, die beide auch instrumentalisiert werden - der eine Fall von Kiew, der andere von Moskau. Der Russe Stenin wird als Beispiel dafür präsentiert, dass russische Journalisten in der Ukraine verfolgt werden. Die von Moskau kontrollierten Medien berichten umfassend über Solidaritätskundgebungen für ihn, die nicht nur in Russland abgehalten werden, sondern auch in westeuropäischen Städten - in der Regel organisiert von Vereinen mit Verbindung zum russischen Staat.

Die Kampfpilotin Sawtschenko.

(Foto: )

Auch wie der Fall der 33 Jahre alten Ukrainerin bewertet wird, ist eine Frage der Perspektive. Im Juni wurde sie nach einem Einsatz in einem Freiwilligen-Bataillon im Südosten der Ukraine gefangen genommen und sitzt nun in einem russischen Gefängnis. Sawtschenko sagt, sie sei von prorussischen Separatisten entführt und über die Grenze gebracht worden.

Russlands Ansehen im Westen

Wie Putin in den Informationskrieg zieht

Der Konflikt in der Ostukraine hat dem Ansehen Russlands im Westen geschadet. Hunderte russische Journalisten sollen nun weltweit fremdsprachige Nachrichtenkanäle aufbauen und Moskaus Image aufpolieren. Besonders Deutschland steht im Fokus.

Die russische Staatsanwaltschaft hingegen behauptet, Sawtschenko habe freiwillig, als Flüchtling getarnt, russisches Gebiet betreten. Bei einer Ausweiskontrolle sei sie festgenommen worden. Russland wirft ihr vor, sie habe einen Angriff koordiniert, bei dem zwei russische Journalisten getötet wurden.