Profil Yang Jiechi

(Foto: AFP)

Vermittler zwischen China und den USA und Gast auf der Sicherheitskonferenz

Von Lea Deuber

Anfang der 1970er-Jahre, während in China die Kulturrevolution tobte und Schulen und Universitäten geschlossen waren, wählte Peking eine Handvoll Studenten aus, die zur Vorbereitung auf eine diplomatische Laufbahn im Ausland studieren sollten. Yang Jiechi gehörte zu ihnen. 1971, ein Jahr vor der Annäherung an die Vereinigten Staaten durch den Besuch von Richard Nixon, war der damals 21-Jährige in die Partei eingetreten. In den Wirren der ideologischen Raserei hatte er die Schule abgebrochen und in einer Elektronikfabrik angeheuert. Zwei Jahre nach seinem Schwur auf die Partei schickte die KP den talentierten Studenten bereits zum Auslandsstudium an die University of Bath und an die London School of Economics, eine der renommiertesten Hochschulen Großbritanniens.

Nach seinem Abschluss begann Yang für das chinesische Außenministerium zu arbeiten, das er einige Jahrzehnte später leitete. In dieser Funktion nahm er 2010 auch als erster chinesischer Außenminister an der Münchener Sicherheitskonferenz teil. Obwohl sein Nachfolger Wang Yi das Land offiziell nach außen vertritt, gilt das Politbüromitglied Yang Jiechi heute als Chinas zentraler Draht nach Washington. Im Handelskrieg braucht Peking ihn mehr denn je. Auch deshalb wird sein zweiter Besuch bei der Münchener Konferenz am Wochenende mit Spannung erwartet.

Die ersten acht Jahre im Außenministerium war Yang als Übersetzer tätig. Als einer der wenigen Spitzenpolitiker des Landes spricht er fließend Englisch. 1977 begleitete er George Bush auf einer privaten Reise durch Tibet. Der spätere US-Präsident hatte zuvor das Verbindungsbüro der Amerikaner in Peking geleitet, als Washington noch keine Botschaft in China hatte. Bush soll sofort begeistert gewesen sein von dem jungen Mann, der sich als kluger Gesprächspartner erwies. Er war es auch, der dem heute 68-Jährigen seinen Spitznamen verpasste: Tiger Yang. Tiger ist nicht nur das Tierkreiszeichen des 1950 in Shanghai geborenen Diplomaten. Das Schriftzeichen versteckt sich auch in seinem Namen Jiechi. Bush soll bis zu seinem Tod eine enge Freundschaft mit Yang gepflegt haben.

Mehrere Jahre verbrachte Yang Jiechi in der chinesischen Botschaft in Washington und im Außenministerium in Peking, bevor er 2001 zum Botschafter in der amerikanischen Hauptstadt ernannt wurde. Zehn Jahre jünger als sein Vorgänger managte Yang bereits im April eine schwere Krise in den Beziehungen, als ein US-Spionageflugzeug mit einem chinesischen Abfangjäger nahe der Tropeninsel Hainan kollidierte. 2005 übernahm er - zurückgekehrt nach China - den Posten als Vize-Außenminister und kümmerte sich um die Lateinamerika-Politik sowie um Taiwan und Hongkong. Zwei Jahre später stieg er im Kabinett des Ministerpräsidenten Wen Jiabao zum Außenminister auf.

Heute ist Chinas Regierung, die ihn vor 45 Jahren nach Großbritannien geschickt hatte, selbstbewusster und unnachgiebiger denn je. Yang, der als ernst und unnahbar gilt, vertritt die Kerninteressen mit "weichen Worten und harter Haltung". Selbst beschreibt sich Yang als ehrgeizigen Typ, der nur ungern verliere. Und das nicht nur beim Tischtennis, angeblich seinem liebsten Zeitvertreib, sondern auch in seiner Arbeit. Sein Motto nach Jahren im Dienst sei, wie er selbst einmal erklärte: "Alles hören, alles sehen, alles bedenken und dann angemessen reagieren."

In Deutschland hatte Yang 2007 seinen ersten Auftritt, als er vor dem G-8-Gipfel zu einer Außenministerkonferenz anreiste. Damals bekräftigte er Chinas Engagement im Kampf gegen den Klimawandel, forderte dafür Zugang zu europäischer Spitzentechnologie. Nachdem ein Treffen von Angela Merkel mit dem Dalai Lama 2007 eine Krise mit Peking ausgelöst hatte, war es Yang, der zur Entspannung beitrug. 2013 gab er den Posten des Außenministers ab; es folgte sein Aufstieg ins mächtige Politbüro.