Süddeutsche Zeitung

Profil:Wang Yi

Der Außenminister will das Image Chinas in Sachen Seidenstraße verbessern.

Der Lohn für die Mühen von Wang Yi fiel am Wochenende eher dürftig aus. Während fast jede chinesische Zeitung zum Seidenstraßen-Gipfel mit einem Foto des Staatspräsidenten Xi Jinping aufmachte, schafften es der Außenminister und der Rest der Pekinger Führungsriege nur als Notiz auf die hinteren Seiten. Das zweitägige Forum geriet zur Propagandashow für Chinas mächtigen Präsidenten. Dabei war Wang im Vorfeld eine treibende Kraft hinter den Bemühungen Pekings, das angeschlagene Image der sogenannten Neuen Seidenstraße aufzupolieren. Die Initiative, die den Bau von Infrastruktur und Wirtschaftskorridoren zwischen China und anderen Teilen der Welt befördern soll, war zuletzt im Ausland massiv kritisiert worden. Wang traf sich deshalb in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Regierungschefs, um Kritik am Vorgehen Chinas auszuräumen. Die Initiative sei keine geopolitische Strategie oder Schuldenfalle, sondern "ein Kuchen, der viele Vorteile bringt", sagt Wang.

Der 1953 in Peking geborene Politiker gehörte von 1969 bis 1977 zu den Millionen jungen Menschen, die nach ihrem Schulabschluss und während der Kulturrevolution zum Arbeitsdienst aufs Land verschickt wurden. Wang verschlug es in die nordchinesische Provinz Heilongjiang an der Grenze zu Russland. Nach Ende des von Mao Zedong angezettelten Irrsinns kehrte er nach Peking zurück, studierte Japanisch, forschte ein Jahr in Washington an der Georgetown University und schloss ein weiteres, wirtschaftswissenschaftliches Studium ab.

Ein Jahr nachdem er Mitglied in der Kommunistischen Partei geworden war, trat er 1982 in den diplomatischen Dienst ein. Dort machte der talentierte junge Mann schnell Karriere. Nach fünf Jahren in der Vertretung in Japan stieg er zum stellvertretenden Generaldirektor der Asienabteilung auf. 1995 übernahm er deren Leitung. Nur drei Jahre später wurde er zunächst zum Staatssekretär im Außenministerium ernannt, um bereits weitere drei Jahre später die stellvertretende Führung des Amts zu übernehmen.

Wang ist ein erfahrener Verhandler. Als er 2004 zum Botschafter in Japan berufen wurde, vermittelte er während der neu aufflammenden Spannungen zwischen den Ländern. Vier Jahre später gelang ihm als Chef des Amts für Taiwan-Angelegenheiten eine Wiederannäherung an den Inselstaat, auf dessen Gebiete Peking Ansprüche erhebt.

Seit Präsident Xi Jinpings Amtsantritt vor sechs Jahren steht er nun an der Spitze des chinesischen Außenministeriums. Dass Wang Yi dabei unversöhnlich gegenüber dem Westen auftritt, zeigte 2016 eine Pressekonferenz in Kanada. Auf die Frage einer Reporterin nach der Menschenrechtssituation in China sagte Wang, ihre Frage zeuge von Unwissen und einer Arroganz, von der er nicht einmal wisse, wo sie herkomme. Die Berichte über in Arbeitslagern inhaftierte Muslime bezeichnete er als "Klatsch".

In jüngster Zeit ist Wang vor allem damit beschäftigt, Zweifel an Chinas Außenpolitik auszuräumen, die unter Xi sehr viel aggressiver ist als unter dessen Vorgängern. Die Fotos von Staatschefs aus aller Welt, die am Wochenende für einen Handschlag mit Xi bis nach Peking reisten, sind da eine willkommene Abwechslung. Ebenso die Nachricht, dass der Gipfel Abkommen im Wert von 64 Milliarden Dollar eingebracht haben soll.

Auf das Konto von Wang geht in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenig. Die rhetorisch gemeinte Frage "Alle für einen oder einer für alle?", die der Staatssender CGTN zuletzt in einem Bericht über die Kritik an der Neuen Seidenstraße stellte, beantwortet Wang mit der Formel: China für alle. Wang nennt die Initiative eine globale "Kooperationsplattform". Dass er beim Gipfel kaum in Erscheinung trat, beantwortet die Frage auch mit Blick auf seinen Chef. In China arbeiten alle für einen. Die Titelseiten musste er deshalb Präsident Xi überlassen.

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SZ vom 29.04.2019
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