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Profil:Valerie Plame

(Foto: Getty Images)

Kandidatin der US-Demokraten mit besonderem Spin.

Ende der Siebzigerjahre lief im Ersten die US-Serie "Detektiv Rockford - Anruf genügt". James Garner spielte darin den Privatdetektiv Jim Rockford. Der fuhr einen Pontiac Firebird, ein Auto von jener Sorte, das die Amerikaner als Muscle Car bezeichnen, was man grob mit "Männerkarre" übersetzen könnte. Flach, schnell, V 8, viele PS, kein Platz für Kindersitze. Rockford machte mit diesem Auto zuweilen ein Fahrmanöver, das eigentlich J-Turn heißt, als Huldigung an die Fernsehserie aber auch "Rockford Spin" genannt wird. Der Fahrer fährt dabei schnell im Rückwärtsgang und lässt das Auto während der Fahrt um 180 Grad herumschleudern, sodass er vorwärts in die gleiche Richtung weiterrasen kann. Das sieht spektakulär aus und wurde in zig Kriminal-, Action- und Spionagefilmen nachgemacht.

Womit man bei Valerie Plame wäre und dem Werbespot, mit dem sie ihre Kandidatur für einen Sitz im US-Abgeordnetenhaus für die Demokraten angekündigt hat. Plame brettert darin in einem schwarzen Chevy Camaro - nicht so schnittig wie ein Firebird, aber definitiv ein Muscle Car - durch die Wüste des Bundesstaats New Mexico, in dem sie antritt. Das Besondere: Sie fährt mit Vollgas rückwärts. Am Ende legt sie einen perfekten Rockford Spin hin, entsteigt in einer Staubwolke dem Auto und schlendert auf die Kamera zu. "Ja", sagt Plame, "die CIA bringt uns wirklich bei, so zu fahren." Dann fügt sie hinzu: "Mr President, ich habe da noch ein paar offene Rechnungen."

Das mag für Wähler, die Valerie Plame nicht mehr kennen, kryptisch klingen. Aber zumindest den Amerikanern, die halbwegs an Politik interessiert sind, dürfte der Name der 56-Jährigen immer noch vertraut sein. Schließlich stand Valerie Elise Plame Wilson vor 16 Jahren im Mittelpunkt eines veritablen Politskandals, der monatelang die Regierung von Präsident George W. Bush beschäftigte.

Das kam so: Anfang 2003 wollte Bush in den Krieg gegen den Irak ziehen. Er und seine Berater bauschten daher die angebliche Bedrohung durch Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen auf. Dabei kam ihnen der Ex-Diplomat Joseph Wilson in die Quere, der Bushs Behauptung widersprach, Hussein habe in Niger Uran zum Bau von Atomwaffen gekauft. Im Juli 2003 wurde Wilsons damalige Frau, Valerie Plame, die bei der CIA als Analystin arbeitete, öffentlich enttarnt - ein Racheakt, wie vermutet wurde. Und eine Straftat. Es gab Ermittlungen, 2007 wurde der Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis "Scooter" Libby, in der Affäre zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. Bush erließ ihm später einen Teil der Strafe, voriges Jahr wurde Libby dann von Präsident Donald Trump begnadigt.

Das erklärt, warum Plame in dem Wahlwerbespot von ihrem Fahrtraining bei der CIA und "offenen Rechnungen" mit dem Präsidenten redet. Allerdings ist der von ihr erhobene Vorwurf, Libby habe sie enttarnt, falsch. Der Cheney-Vertraute wurde verurteilt, weil er die Ermittler unter Eid belogen hatte. Dass Plames Name damals an die Öffentlichkeit kam und die CIA-Agentin "verbrannt" wurde, lag an dem netten, völlig integeren, aber leider als Tratschtante bekannten Vize-Außenminister Richard Armitage. Er hatte einem Journalisten Plames Namen und Arbeitgeber verraten. Aber wen kümmern im Wahlkampf solche Details.

Joseph Wilson und Valerie Plame hat der Skandal wenig Glück gebracht. Für kurze Zeit waren sie in linken Kreisen Stars, sie bekamen Buchverträge und eine Titelstory in Vanity Fair. Ihre Geschichte wurde mit Naomi Watts und Sean Penn verfilmt. Aber sie mussten Washington verlassen, weil sie Drohungen erhielten und Wilsons Name politisch so toxisch geworden war, dass seine Beratungsfirma keine Klienten bekam. 2006 zog das Paar nach Santa Fe. Aus der Wüste von New Mexico will Plame, die inzwischen von Wilson geschieden ist, nun als Abgeordnete in die Hauptstadt zurückkehren. Auch eine Art Rockford Spin.

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