Profil:Ursula von der Leyen

Die CDU-Verteidigungsministerin auf Distanz zur Bundeswehr.

Von Christoph Hickmann

Ursula von der Leyen
(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Als Ursula von der Leyen Ende 2013 das Amt der Verteidigungsministerin übernommen hatte, wahrte sie zunächst eine merkwürdige Distanz zu ihrem neuen Ressort. In Interviews und Hintergrundgesprächen kokettierte sie damit, diesen oder jenen Fachbegriff nicht zu kennen. Sie machte sich über den militärischen Jargon mit seinen sprachlichen Eigenheiten lustig. Und sie vermied es sorgsam, sich neben bestimmten Gerätschaften, etwa einer Drohne, fotografieren zu lassen. Die Ministerin, die sich zuvor um das Thema Familie sowie um Arbeit und Soziales gekümmert hatte, fremdelte erkennbar mit dem Sujet.

Das legte sich dann schnell. Von der Leyen nahm ihren Job an - doch an diesem Wochenende wirkte es plötzlich wieder, als habe sie mit der Bundeswehr höchstens entfernt zu tun. Die Truppe habe ein "Haltungsproblem" sowie "offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen", sagte die Ministerin im ZDF, wobei sie den Fall des unter Terrorverdacht stehenden Oberleutnants in eine Reihe mit den zuletzt bekannt gewordenen Fällen von Demütigung und übertriebener Härte stellte. Für eine Ministerin, die mittlerweile seit dreieinhalb Jahren die Verantwortung für die Bundeswehr trägt, ist das eine ziemlich befremdliche Aussage. Denn was sagt es eigentlich über die "IBuK" (kurz für: Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt), wenn ihr solch gravierende Defizite plötzlich ein halbes Jahr vor dem Ende der Legislaturperiode auffallen?

Entsprechend harsch fallen die Reaktionen aus. Wenn die SPD, mithin der Koalitionspartner, von der Leyen nun als "Ankündigungsministerin" attackiert, die "selbst ein Haltungsproblem" habe, dann ist das selbst im heraufziehenden Bundestagswahlkampf starker Tobak. Allerdings ist von der Leyen für die Sozialdemokraten schon seit Langem ein beliebtes Angriffsziel - spätestens seit die Christdemokratin ihnen das Themenfeld der Familienpolitik erfolgreich streitig gemacht hat.

Von der Leyen hat immer gewusst, dass Verteidigungsminister jederzeit über Skandale und Affären stolpern können. Bislang hat die 58-Jährige es geschafft, unerfreuliche Vorgänge möglichst weit von sich wegzuhalten. Doch was, wenn sich nun etwa erweisen sollte, dass es um den festgenommenen Offizier herum ein Umfeld gab, das dessen rechtsextremistische Gesinnung teilte? Die Brisanz des Vorgangs ist der Ministerin bewusst - so erklärt sich die scharfe Distanzierung von der Truppe.

Sie weiß allerdings auch, dass eine Oberbefehlshaberin ohne das Vertrauen der Armee ebenfalls verloren ist. Daher flankierte von der Leyen ihre Schelte am Montag mit einem offenen Brief an die Soldaten und zivilen Mitarbeiter: "So manches verkürzte öffentliche Urteil über die Bundeswehr erscheint in seiner Pauschalität überzogen und ungerecht", heißt es darin. Sie sei überzeugt, dass "die übergroße Mehrheit" der Truppe "anständig und tadellos ihren wichtigen Dienst für unser Land leistet".

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