Profil:Thomas Winkelmann

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Thomas Winkelmann CEO des Lufthansa-Hubs München

Langjähriger Lufthansa-Manager, der nun Air Berlin retten soll: Thomas Winkelmann.

(Foto: Florian Peljak)

Langjähriger Lufthansa-Manager, der nun Air Berlin retten soll.

Von Jens Flottau

Der Mann war immer irgendwie lockerer als die zum Staatstragenden neigenden Lufthansa-Manager. Schon deshalb eignete er sich gut als Chef einer gerne hip erscheinenden Billigfluggesellschaft. Doch als einer seiner Piloten am 24. März 2015 einen Airbus offenbar mit Absicht gegen einen Berg steuerte und 150 Menschen ums Leben kamen, wurde Thomas Winkelmanns Job als Chef von Germanwings zu einer Grenzerfahrung, beruflich und emotional. Er bekam damals wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr viel Lob für seine als ehrlich empfundene Anteilnahme. Und irgendwann verschwand er dann aus dem Blick der Öffentlichkeit, zuletzt leitete er das Lufthansa-Drehkreuz in München.

Von heute an steht er wieder im Blickpunkt. Winkelmann, 57, tritt als neuer Chef von Air Berlin den schwierigsten Posten an, den es in der deutschen Luftverkehrsbranche derzeit gibt. Seine neue Firma ist chronisch defizitär und von Zuwendungen des größten Aktionärs Etihad Airways abhängig. Doch mehr Geld aus Abu Dhabi ist nach dem angekündigten Abgang von Etihad-Chef James Hogan kaum mehr zu erwarten. Air Berlin drücken Schulden in Höhe von einer Milliarde Euro, das Unternehmen wird derzeit in drei Teile zerlegt. Winkelmanns Aufgabe: den Rest der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft irgendwie zu retten, und mit ihm Tausende von Arbeitsplätzen.

In der Etihad-Ära war auf die Überweisungen Verlass, mit denen die ärgsten Löcher gestopft werden konnten. Doch die Rolle als Anhängsel der Araber tat Air Berlin nicht gut, das Management vernachlässigte dringende Aufgaben, etwa die Personalkosten zu senken. Mit bald nur noch 75 Flugzeugen in Eigenregie gilt die Gesellschaft als zu klein, um überleben zu können. Nun sind Winkelmanns Optionen sehr reduziert, genau genommen gibt es nur eine: Lufthansa. Was noch vor Kurzem undenkbar erschien, soll der Neue schaffen: Air Berlin künftig ganz für seinen bisherigen Arbeitgeber fliegen zu lassen.

Schon in wenigen Tagen werden die ersten 38 Air-Berlin-Jets an den Lufthansa-Konzern vermietet und dort in den Farben von Austrian und des Billigablegers Eurowings fliegen, zu dem auch die alte Germanwings gehört. Das Bundeskartellamt hat die Transaktion am Montag genehmigt. Längst hat Lufthansa in Berlin vorgefühlt, ob die Bundesregierung denn auch trotz Wettbewerbsbedenken ein noch größeres Engagement mittragen würde. Dann gäbe es zwar nur noch eine große deutsche Fluggesellschaft, aber die Arbeitsplätze würden erhalten bleiben. Die Antwort aus Berlin war, wie zu hören ist, wohlwollend.

Doch damit ist Air Berlin noch lange nicht gerettet. Denn die Firma produziert zu teuer, auch die Schulden würde Lufthansa nicht übernehmen wollen, so verlockend die Aussicht auf den Marktzugang an den Air-Berlin-Standorten Berlin und Düsseldorf auch ist. Winkelmann also muss aufräumen, es ist die wohl letzte Chance.

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