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Profil:Susana Díaz

King Felipe VI of Spain Meets Susana Diaz; Susana Díaz

Spanische Sozialistin, die einen neuen Kurs ihrer Partei anstrebt.

(Foto: Carlos Alvarez/Getty Images)

Spanische Sozialistin, die einen neuen Kurs ihrer Partei anstrebt.

Das erste Mal machte Susana Díaz landesweit auf sich aufmerksam, als sie vor drei Jahren als Regionalpräsidentin Andalusiens vereidigt wurde. Der Start im hohen Amt war für die Aufsteigerin aus bescheidenen Verhältnissen - ihr Vater war Klempner - nicht einfach, denn fast die gesamte Führungsspitze der andalusischen Sozialisten (PSOE) hatte wegen einer gigantischen Korruptionsaffäre zurücktreten müssen: Eine wohl dreistellige Millionensumme an EU-Geldern für Umschulungen von Arbeitslosen war in Privatschatullen der Funktionäre verschwunden; zwei ehemalige Regionalpräsidenten stehen deshalb derzeit vor Gericht.

Der Partei, der Díaz noch als Schülerin beigetreten ist, hat die Affäre in ihren Hochburgen im Süden Spaniens allerdings wenig geschadet: Mit ihr als Spitzenkandidatin gewann die PSOE die Regionalwahlen 2015. Sie hatte hochschwanger den Wahlkampf bestritten und war nach der Geburt ihres Sohnes in Mutterschutz gegangen.

Angesichts der Wahlpleiten der PSOE auf nationaler Ebene meldete sich die 41-jährige zunehmend mit Kritik am Kurs der Parteiführung um den drei Jahre älteren Wirtschaftsdozenten Pedro Sánchez zu Wort, vermied dabei aber scharfe Töne. Dies übernahm für sie zuletzt der ebenfalls aus Andalusien stammende Parteipatriarch Felipe González, Regierungschef von 1982 bis 1996. Er forderte Sánchez auf, seinen Kurs der Totalblockade in Madrid zu beenden, der dazu geführt hat, dass Spanien seit neun Monaten keine handlungsfähige Regierung hat. Doch Sánchez beharrte auf seinem Anspruch, gemeinsam mit der linksalternativen Gruppierung Podemos eine Regierung zu bilden, obwohl sich dafür nicht im entferntesten eine Mehrheit abzeichnete.

Díaz, die auch in Madrid als Abgeordnete Erfahrungen gesammelt hatte, rief den ehrgeizigen Parteichef zu mehr Realismus auf: Wahlen könnten nur gewonnen werden, wenn gemäßigte Wähler nicht verschreckt werden. Als die PSOE vor einer Woche bei den Regionalwahlen in Galicien und im Baskenland weiter einbrach, obwohl (oder weil) sich Sánchez sehr im Wahlkampf engagiert hatte, gab González das Angriffssignal. Am Samstag wurde Sánchez vom eilig einberufenen Bundesausschuss der Partei gestürzt. Die umtriebige Netzwerkerin Díaz hielt sich dabei im Hintergrund, die Medien aber sehen sie als Sieger im Machtkampf.

Ob sie aber nun auch an die Parteispitze tritt, ist keineswegs ausgemacht. Denn die schlagfertige, kampferprobte und durchsetzungsfähige Andalusierin, die ihren Regionalakzent nicht verhehlt, polarisiert die sozialistische Partei; auch ist in den letzten Tagen "zu viel Blut geflossen", wie es Kommentatoren nennen. Vermutlich wird ein Kompromisskandidat an die Spitze der PSOE gewählt werden. Susana Díaz kann warten. Sie freue sich, wenn sie in ihrer Heimatstadt Sevilla etwas mehr Zeit für den 14 Monate alten Sohn und ihren Mann haben werde.