Profil:Spyros Galinos

Lesezeit: 2 min

Spyros Galinos mayor of the Greek island of Lesbos gives an interview to CTK in Mytilene on the is

Spyros Galinos, Bürgermeister von Lesbos und Gastgeber des Papstes.

(Foto: imago)

Bürgermeister mit rechtspo-pulistischer Vergangenheit und Gastgeber des Papstes.

Von Mike Szymanski

Spyros Galinos, 64, erlebt verrückte Zeiten. Seitdem er 2014 Bürgermeister von Lesbos wurde, kann sich auf der Insel niemand der Flüchtlingskrise entziehen, dafür ist sie schlicht zu klein. Und er, als Bürgermeister, schon gar nicht. An einem Tag im vergangenen Herbst wurde Galinos sogar zum Rettungsschwimmer. Ein Flüchtlingsboot steuerte auf den Hafen zu, als er einen offiziellen Termin hatte. Es sah nicht danach aus, dass das Boot die letzten paar Hundert Meter schaffen würde. Die Leute schrien um Hilfe. Galinos entschuldigte sich bei seinen Gesprächspartnern mit den Worten, dass er jetzt dringend gebraucht werde. Er legte das Sakko ab und sprang ins Wasser, um zu helfen.

In Spitzenzeiten kamen täglich mehrere Tausend Flüchtlinge allein auf dieser griechischen Insel an. Sie wurde zum Symbol für Europas Hilflosigkeit. Fernsehbilder zeigen schon lange nicht mehr seine liebenswürdige Insel, sondern meist nur noch diesen sogenannten Hotspot in Moria. Die betongewordene Angst, die Europa vor den Flüchtlingen hat. Aus Galinos Sicht ist es nur folgerichtig, dass er am kommenden Samstag Besuch vom Papst bekommt. Es gehört aber noch viel Vorstellungskraft dazu, in dieser Insel, wie Galinos meint, "einen Ort der Solidarität, des Friedens und des Lichtes" zu sehen. Aber genau diesen Ort will er dem Papst zeigen.

Galinos sitzt in seiner Amtsstube, saugt an seiner E-Zigarette und denkt an die Zeit zurück, als allein im Hafen noch Hunderte Flüchtlingsfamilien ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Er habe Mitilini kaum wiedererkannt. So viele Verzweifelte seien damals angekommen. Vergangenes Jahr im Spätsommer ging es drunter und drüber. Er habe sich in den vergangenen Monaten oft von den großen, starken Ländern Europas im Stich gelassen gefühlt. Konnte es wirklich sein, dass diese mächtigen Staatenlenker sich weniger Hilfsbereitschaft zutrauten als er und seine Insel? Wenn Galinos in dieser Krise etwas Schönes erkennen will, dann das Mitgefühl der Menschen. Tausende freiwillige Helfer reisten nach Lesbos, um mit anzupacken. "Unsere Insel ist schöner geworden", sagt Galinos.

Monate bevor die EU die Türkei zum Partner machte und beide einen Flüchtlingspakt schlossen, hatte Galinos vorgeschlagen, die Migranten mit Fähren aus der Türkei abzuholen. Ihnen sollte die lebensgefährliche Überfahrt erspart bleiben. Kein einfacher Standpunkt für einen Politiker wie Galinos, der früher Generalsekretär der rechtspopulistischen Partei Anel war. Sie ist Juniorpartner der Regierung von Premier Alexis Tsipras und steht nicht gerade für Willkommenskultur. Galinos denkt heute aber zuerst an seine Insel.

Und er denkt schon an die Zeit nach der Krise. Wenn der Flüchtlingsdeal mit der Türkei das hält, was er verspricht, dann dürften bald kaum noch Flüchtlinge auf Lesbos ankommen. Dann muss sich die heutige Flüchtlingsinsel noch einmal neu erfinden, damit bald die Touristen wiederkommen.

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