Profil Robyn Rihanna Fenty

(Foto: AFP)

Die R'n'B-Sängerin ist über die Musik hinausgewachsen und gründet ein Mode-Label.

Von Tanja Rest

Wer im Pop- oder Rap-Olymp erst mal angekommen ist, wirft nicht nur alle Jahre wieder ein neues Album auf den Markt, sondern auch eine neue Kollektion. Das gehört sich heute so. Yeezy (das Label von Kanye West), Pretty Green (Britpopper Liam Gallagher) und Drew House (Mode-Newcomer Justin Bieber) sind da mehr oder weniger eindrucksvolle Beispiele, und auch Victoria Beckham, man weiß es kaum noch, war zunächst ein Popstar, bevor sie ihre längst hochrespektable Marke gründete. Die Versuchung, mit einem bereits vergoldeten Namen zusätzlich abzukassieren, scheint grenzenlos zu sein, und wenn den Musiker-Designer auch stets Skepsis begleitet - hat er oder sie den ganzen Kram wirklich selbst ...? -, dem Image hat die tiefe Verbeugung nach einer eigenen Fashion Show niemals geschadet.

Eine Pariser Maison unter dem Dach der größten und ehrwürdigsten Luxusgruppe der Welt, das hat allerdings nur sie: Robyn Rihanna Fenty.

"Jeder kennt Rihanna als großartige Sängerin", so begann dieser Tage die Mitteilung des Chefs von Louis Vuitton Moët Hennessy, kurz LVMH; er selbst, Bernard Arnault, habe sie aber auch als "wahre Unternehmerin, echte CEO und großartige Anführerin" kennengelernt. Rihanna textete geschmeidig zurück, sie könne sich keinen kreativeren und geschäftstüchtigeren Partner vorstellen: "Ich bin bereit, die ganze Welt sehen zu lassen, was wir zusammen aufgebaut haben." Was die Welt am 22. Mai auf dem Pariser Laufsteg zu sehen bekommen wird, sind nicht nur Kleider, Schuhe, Taschen und Brillen. Es ist die erste dunkelhäutige Gründerin einer LVMH-Marke, die erste dunkelhäutige Frau an der Spitze eines LVMH-Hauses überhaupt. Dass die Luxusgruppe ein Modehaus nicht einfach so vom Markt wegkaufte, sondern selbst aus der Taufe hob, geschah zuletzt 1987, damals trug es den Namen Christian Lacroix. Diesmal heißt das Neugeborene "Fenty Maison".

Robyn Rihanna Fenty, 1988 auf Barbados geboren, ist natürlich längst ihr eigenes fix und fertiges Label, ein Spaziergang für Arnaults Markenstrategen. Auf ihr Konto gehen 250 Millionen verkaufte Tonträger, 14 Nummer-eins-Hits in den US-Billboard-Charts und neun Grammys, um nur ein paar Zahlen nennen. Das ist es aber nicht mal, was LVMH eine Investition von 30 Millionen Dollar wert ist. 14 Jahre nach dem Debütalbum "Music of the Sun" ist die R 'n' B-Sängerin über die Musik hinausgewachsen, sie funktioniert auf vielen Ebenen und für mehrere Zielgruppen gleichzeitig. Pin-up und feministische Ikone, Darling der Millennials, Unternehmerin, politische Aktivistin, Botschafterin der Diversität, Covergirl, Stilvorlage, Instagram-Star mit mehr als 70 Millionen Followern: Das alles ist Rihanna heute, und damit ist sie ein natürlicher Köder für die Mode - ob sie die Sachen nun selbst entwirft oder nicht, egal.

Erfahrung ist reichlich vorhanden. Ein paar Saisons lang hat Rihanna die erfolgreiche Streetwear-Linie Puma x Fenty verantwortet, im September 2018 debütierte ihre Unterwäsche-Kollektion Savage x Fenty zu begeisterten Kritiken auf der New Yorker Fashion Week. Auch mit LVMH arbeitet sie längst zusammen: 2017 ging Fenty Beauty an den Start, eine Kooperation mit der LVMH-Tochter Kendo. 40 Sorten Foundation, die innerhalb von 40 Tagen 100 Millionen Dollar umsetzten, das galt sogar auf dem explodierenden Kosmetikmarkt als Sensation.

Eine Fenty Maison mit Sitz in Paris stellt all dies aber noch mal ordentlich in den Schatten. Rihanna mag den amerikanischen Fashion Icon Award erhalten haben, auf dem Cover der Vogue gewesen sein und eine Kampagne für Dior gemacht haben. Dass sie zukünftig aber in einer Reihe performt mit so klangvollen Namen wie Givenchy, Celine und Kenzo - allesamt mittelgroße LVMH-Häuser - das hätte sie sich selbst mit ihrem geschätzten Privatvermögen von 200 Millionen Euro nicht kaufen können. Es ist für beide Seiten ein traumhafter Deal.