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Robert Kalina - schwarzweiß

Robert Kalina: Euro-Schein-Designer, der nun um seine Kunst bangt.

(Foto: privat)

Designer der Euro-Scheine, der nun um den Bestand seines Kunstwerks bangt.

Von Jan Schmidbauer

Als Robert Kalina im Dezember 1996 erfuhr, dass 300 Millionen Menschen seine Kunstwerke in Händen halten werden, war er "schon überrascht". Heute nimmt sich die Reaktion bescheiden aus. Kalinas Kunst hat sich durchgesetzt. Die Werke des 60-Jährigen aus Wien, sämtliche Euro-Scheine der ersten Serie, werden überall in Europa gerne akzeptiert. Vom kleinen Fünfer bis zum lilafarbenen 500-Euro-Schein: alles echte Kalinas.

Nun will die Europäische Zentralbank (EZB) den 500er, das in monetärer Hinsicht wertvollste Kunstwerk des mittlerweile pensionierten Designers, aus dem Verkehr ziehen. Der Schein fördere die Kriminalität, von Terrorfinanzierung ist die Rede. Kalina findet das alles überhaupt nicht lustig. Für ihn ist die Abschaffung "eine Einschränkung der Freiheit" und auch in künstlerischer Hinsicht ein Verlust.

Die Serie, sagt er, war als Gesamtkonzept gedacht. Die fiktiven Bauwerke, die auf den Euro-Scheinen zu sehen sind, stehen für jeweils eine architektonische Epoche in Europa. Während der Fünfer noch einen antiken Torbogen zeigt, prangt auf dem 500er das architektonische Statussymbol der Moderne: der Glaskasten. "Und durch den Wegfall", sagt der Designer "bleiben wir praktisch bei der Jahrhundertwende stehen."

Kalina absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker und spezialisierte sich als Angestellter in der Österreichischen Nationalbank auf Geldscheine. "Banknotenentwerfer" lautete seine offizielle Berufsbezeichnung. Als dann das Europäische Währungsinstitut (EWI) im Februar 1996 einen Wettbewerb um das Design der neuen Währung ausschrieb, ging Kalina für Österreich ins Rennen. Er war der einzige Banknotendesigner des Landes.

Kalinas Entwürfe setzten sich gegen 43 andere Vorschläge durch. Wohl auch, weil er als einer von wenigen Designern auf Porträts verzichtet hatte. Wegen der strengen Vorgaben hätten die Personen anonymisiert werden müssen. Der Euro sollte auf keinen Fall nationale Befindlichkeiten verletzen. "Aber mit anonymen Porträts kann man keine Identifikation herstellen", sagt Kalina. Er entschied sich deshalb für Brücken, Torbögen, offene Fenster. Symbole für die Verbindung zwischen den Völkern und - das sei noch einmal hinzugefügt - die Überwindung von Grenzen.

Auch Kalina weiß, dass man seinen 500er in den meisten Geschäften gar nicht loswird. Und dass viele ihn nie in den Händen hielten. Die Spanier, so heißt es, nennen den unter Terrorverdacht stehenden Schein "Bin Laden". Jeder weiß, dass es ihn gibt, und doch hat ihn fast niemand je gesehen. Das wird wohl auch so bleiben, denn der 500er wird nun nach und nach eingezogen.

Robert Kalina sorgt sich schon um seinen nächsten Schein. "Konsequenterweise müsste man jetzt auch den 200er abschaffen", sagt er. Sollte das so kommen, fiele Europa, zumindest architektonisch, zurück in die Renaissance.

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