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Sprecher des US-Repräsentantenhauses:Wunderkind mit Fitness-Faible

Paul Ryan

Wunderkind der Republikaner und wohl der nächste Speaker: Paul Ryan.

(Foto: AFP)

Paul Ryan gilt als Sport-Enthusiast und wird wohl der nächste Speaker des Repräsentantenhauses: Seine Karriere verdankt der Republikaner auch McDonald's.

Von Sacha Batthyany

Noch vor wenigen Wochen betonte Paul Ryan, er habe kein Interesse, neuer Speaker des Repräsentantenhauses zu werden. Doch nachdem er sowohl von moderaten Gruppen innerhalb der Partei als auch von den radikalkonservativen Mitgliedern des "Freedom Caucus" umworben wurde und die Zusicherung einer Mehrheit der Stimmen bekam, entschied er sich um.

Paul Ryan, 45, wird aller Voraussicht nach am nächsten Donnerstag die Wahl zum Parlamentsvorsitz gewinnen, dem formal höchsten Amt nach dem Präsidenten und dessen Stellvertreter. Ryan will der Mann sein, der die zerstrittene Partei wieder vereint. Gelingt ihm das, gehört ihm die Zukunft.

Paul Ryan, studierter Ökonom, ist in Washington ebenso bekannt für sein rigoroses Fitnessprogramm wie für seine Expertise in Budgetfragen. Er stammt aus einer wohlhabenden Familie aus Wisconsin, seine politische Bildung, sagte er einmal, habe er der russisch-amerikanischen Autorin Ayn Rand zu verdanken, dieser Ikone der Konservativen, die für einen entfesselnden Kapitalismus einstand. "Den ganzen Rest verdanke ich meiner Familie und einer frühen Anstellung bei McDonald's", wo er vieles über Unternehmensführung gelernt habe.

Zum Hamburgerbraten verbannt

"Ich war damals 16 und ziemlich selbstbewusst. Mein damaliger Chef aber verbannte mich zum Hamburgerbraten, weil ich sozial noch nicht so weit sei, um mit Kunden in Kontakt zu treten." Aus dem Teenager am Grill wurde 13 Jahre später der zweitjüngste Abgeordnete; aktuell hat er den Vorsitz in der Finanz- und Steuerkommission inne.

Landesweit bekannt wurde Ryan, als ihn Mitt Romney bei der Präsidentschaftskandidatur 2012 für die Stellvertreter-Position vorschlug. Dass Romney später gegen Barack Obama verlor, lag sicher nicht an Ryan, der innerhalb der Partei schon damals eine Art Brückenfunktion einnahm und zum einflussreichen rechten Rand der GOP gute Beziehungen pflegte, ihn gar ideologisch vertrat. In Fragen der Abtreibung etwa oder der Waffengesetze gehört Ryan zu den Ultrakonservativen.

Enormer Kontrast zu Vorgänger John Boehner

Trotz seiner langen politischen Erfahrung gilt Ryan als frisches Gesicht. Seine Wahl wird nun als Generationenwechsel in einer Partei verkauft, die in jüngster Zeit eher durch Zwist auffiel. Der Kontrast zu Vorgänger John Boehner ist enorm, dessen Überstunden und Cocktails an der Zahl der Augenringe abzulesen war, wie die Washington Post schrieb. Ryan, Vater dreier Kinder, hat angekündigt, sein Familienleben nicht vernachlässigen zu wollen. Sollte er gewählt werden, steht ihm aber erst eine scharfe Haushaltsdebatte bevor. Seit Wochen drohen einige Parteikollegen mit einer Regierungsblockade.

Dem Wochenmagazin The New Yorker verriet er einmal, warum man bei ihm immer das Gefühl habe, er sei so gehetzt und würde durchs Leben rennen: "Keiner meiner männlichen Vorfahren, weder mein Vater noch mein Großvater oder Urgroßvater, wurde über 60. Ich habe also keine Zeit zu verlieren."

© SZ vom 26.10.2015/fie

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