Profil Nji Collins Gbah

Programmierer aus Kamerun, Autodidakt, Gewinner des Google Code-In.

Von Bernd Dörries

Wenn man seinen Namen googelt, kann die größte Suchmaschine der Welt noch nicht so richtig etwas anfangen mit Nji Collins Gbah. Google macht erst einmal andere Namensvorschläge, obwohl der Konzern Nji Collins Gbah, 17, gerade einen Preis verliehen hat, er ist der erste afrikanische Gewinner des Google Code-In, eines weltweiten Wettbewerbs für Nachwuchsprogrammierer. Im Sommer darf der 17-Jährige aus Kamerun in die Zentrale des Unternehmens nach Kalifornien. "Eines Tages würde ich gerne dort arbeiten", sagte Collins der BBC.

Drei Monate lang hat Nji an 20 Aufgaben gearbeitet, das Programmieren hat er sich in zwei Jahren selbst bei gebracht, aus Büchern und mit Online-Kursen. Einen Tag nachdem er seine Aufgaben eingeschickt hatte, schaltete die Regierung das Internet aus. Nji kommt aus Bamenda, einer Stadt mit 500 000 Einwohnern im Nordwesten des Landes. In den vergangenen Jahren hat eine schnelle Anbindung an das Internet einige Jobs entstehen lassen, das Netz ist für Schüler wie Nji eine große Chance. Die Regierung in der Hauptstadt Yaoundé sieht es eher als Gefahr und kappte in Teilen des Landes die Leitungen. Die sozialen Netzwerke wurden schon länger zensiert. Um Aufrührern und Kriminellen das Handwerk zu legen, behaupteten die Machthaber. Letztlich geht es aber um den Konflikt zwischen der französischsprachigen Bevölkerungsmehrheit und der Minderheit der Anglofonen, die etwa elf Prozent ausmachen.

Ein Streit, dessen Ursachen auch in der deutschen Kolonialgeschichte liegen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging die ehemalige Kolonie Kamerun an den Völkerbund über, Frankreich und Großbritannien teilten sich die Verwaltung. Nach der Unabhängigkeit 1961 stimmte die Bevölkerung der ehemals britischen Provinzen für den Zusammenschluss mit den französischen, beide Sprachen sollten Amtssprachen werden.

Im Alltag dominierte aber das Französisch, Gesetzestexte wurden erst gar nicht ins Englische übersetzt, der Unterricht an den Schulen wurde immer frankofoner. Seit Sommer 2016 wurde der Widerstand der englischsprachigen Minderheit heftiger, vor allem in der Heimatstadt von Nji. Es gab Demonstrationen mit Toten und Verletzten. Mitte Januar zog die Regierung dem Netz den Stecker. Banken können kein Geld mehr transferieren, Studenten nicht mehr recherchieren.

Wäre er in seiner Heimatstadt geblieben, Nji hätte nicht von seinem Preis erfahren. Er ist mittlerweile in die Hauptstadt Yaoundé gezogen, wo das Netz ganz normal funktioniert. "Ich wollte eine Verbindung, um weiterzulernen. Und um mit Google in Verbindung zu bleiben." Die Verbindung steht, Nji hat ein blaues T-Shirt bekommen, das ihn als Preisträger ausweist. Er habe viele Glückwünsche erhalten von Verwandten und Freunden, von Leuten, die er gar nicht kennt. Die Regierung habe sich nicht gemeldet.