Chaos am Lageso:Mario Czaja ist der Mann, von dem der Berliner Senat abhängt

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Elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Mario Czaja, Berliner Sozialsenator, von dem die rot-schwarze Koalition abhängt.

(Foto: dpa)

In der Berliner CDU galt er als Hoffnungsträger. Nun steht er für das Versagen der Stadt in der Flüchtlingskrise. Die Berliner Koalition hängt am seidenen Faden.

Von Jens Schneider

Es gab Zeiten, da galt Mario Czaja als die mögliche Antwort der CDU auf ihre notorische Schwäche in der Hauptstadt. Seit Jahren fehlt der bieder anmutenden Partei eine Führungsfigur, die für das Lebensgefühl der Hauptstadt steht. Da musste einer wie Czaja auffallen. Er tritt - selbst in Krisenzeiten wie jetzt - angenehm offen auf und erreicht mit seiner Art Kreise, die der CDU sonst verschlossen bleiben.

Czaja kommt aus dem Berliner Osten, holte dort ein Direktmandat, was für seine Partei eine Besonderheit ist. Er ist jung und wirkt auch noch so, am 21. September wurde er 40. In einer Talent-Wüste wie der Berliner CDU wird so einer gern mit dem alten Klischee "Hoffnungsträger" belegt. Manche fügen derzeit bei Czaja hinzu: ehemaliger.

Seit Monaten bekommt Czaja die Probleme am Lageso nicht in den Griff

Der Sozialsenator wird für das Versagen der Sozialverwaltung bei der Aufnahme von Flüchtlingen verantwortlich gemacht. Seit Monaten bekam sie die Probleme vor dem Landesamt Lageso nicht in den Griff. Flüchtlinge warteten unter unzumutbaren Bedingungen auf Hilfe. Czaja versprach Woche für Woche, dass alles bald besser würde. Jetzt muss er auch noch dem Vorwurf begegnen, dass er bei der Verteilung von Flüchtlingen in Berlin Rücksicht auf Parteiinteressen genommen habe. Die Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, Ramona Pop, forderte bereits seinen Rücktritt.

Seit Dezember 2011 ist Czaja Senator für Gesundheit und Soziales. Der Katholik ist in Mahlsdorf im Bezirk Marzahn-Hellersdorf aufgewachsen und war - auch das dort eine Besonderheit - Messdiener. Das Gymnasium verließ er mit der Mittleren Reife und lernte Versicherungskaufmann.

Czaja stieg in der Unternehmensgruppe Gegenbauer zum Leiter für den Vertrieb einer Sparte auf. Neben dem Beruf schloss er an der Technischen Hochschule Wildau ein Studium als Diplom-Betriebswirt ab. Seine Diplomarbeit widmete sich den "Betriebswirtschaftlichen Chancen und Risiken des Modells Praxisklinik für den niedergelassenen Facharzt". Seit 1993 engagierte er sich für die CDU in der Kommunalpolitik. Als der Pragmatiker mit der im Osten dominanten PDS, der heutigen Linken, zusammenarbeitete, schloss die Fraktion in Hellersdorf ihn sogar aus, man versöhnte sich aber nach seinem Wahlerfolg 1999.

Berlins Regierungschef Müller attackierte ihn heftig

Czaja ist verheiratet und Vater einer Tochter. Für die brüchige rot-schwarze Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist der Sozialsenator so etwas wie der personifizierte seidene Faden, an dem alles hängt.

Der Regierungschef attackierte ihn öffentlich mit einer Heftigkeit, auf die eigentlich der Rauswurf folgen müsste. Tatsächlich stand Czaja unlängst kurz vor der Entlassung. Wie es heißt, schreckte Müller auf Drängen von Parteifreunden davor zurück - aus Rücksicht auf die Koalition. Weniger als ein Jahr vor der nächsten Wahl hat niemand ein Interesse am Bruch des Regierungsbündnisses. Die CDU steht zu ihrem Mann, der in ihren Augen eine Herkulesaufgabe bewältigt. Das "Sündenbockspiel" sei so armselig wie durchschaubar, sagt Parteichef Frank Henkel. Czaja habe den härtesten Job in der Stadt.

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