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Profil:Margarete Koppers

(Foto: dpa)

Furchtlose Chefin der Berliner Staatsanwälte.

Von Jan Heidtmann

Margarete Koppers, 58, war in ihrem Leben mit einer ganzen Reihe von Konflikten konfrontiert. Aus dem Weg gegangen ist sie ihnen nicht, weder im Privaten noch in ihrer professionellen Karriere. 2010 wurde sie als erste Frau Vizepräsidentin der Berliner Polizei, acht Jahre später die erste Frau an der Spitze der Generalstaatswaltschaft der Hauptstadt. Sie ist offen bisexuell und lebt seit 19 Jahren mit ihrer Lebensgefährtin zusammen. "Ich war verheiratet, und für meinen damaligen Mann war die Rollenverteilung klar: Ich sollte ihm den Rücken freihalten, damit er Karriere machen konnte", beschrieb sie ihr Beziehungsleben in einem Interview mit dem Stern lakonisch. "Meine Nachfolgerin hat vier Kinder bekommen und ist zu Hause geblieben."

Doch der Konflikt, den Berlins Generalstaatsanwältin jetzt erlebt, rüttelt am Selbstverständnis ihrer Behörde. In einer Mitteilung schrieb die Vereinigung Berliner Staatsanwälte am Montag: "Die Berliner Staatsanwaltschaft und insbesondere zwei ihrer Kollegen" seien "durch unhaltbare Vorgänge in den Verdacht" geraten, rechts motivierte Straftaten nicht unvoreingenommen zu verfolgen. "Der dienstliche wie vor allem menschliche Schaden liegt auf der Hand!" Staatsanwälte, die öffentlich gegen ihre Dienstherrin vorgehen - das kommt in der als hochseriös geschätzten und verschwiegenen Branche nicht häufig vor.

Seinen Ursprung hat dieser Konflikt in den erfolglosen Ermittlungen von Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft im Bezirk Neukölln. Dort zünden mutmaßlich rechtsextreme Täter seit Jahren Autos an und beschmieren Wände mit Hassparolen, mehr als 70 solcher Fälle gab es bislang, gelöst ist kaum etwas, selbst eine Sonderkommission der Polizei kommt nicht weiter. Stattdessen wurden erhebliche Ermittlungspannen bekannt. Mögliche Kontakte zwischen Polizei und Rechtsextremen schüren bei den Opfern zudem seit Langem den Verdacht, dass die Untersuchungen bewusst verschleppt würden.

Nun wurde bekannt, dass sich einer der Hauptverdächtigen in einem abgehörten Chat nach einer Vernehmung positiv über einen Staatsanwalt äußerte. Der sei offenbar "AfD-nah", man habe nichts zu befürchten. Gemeint ist der Leiter der Staatsschutzabteilung, einer der wichtigsten Positionen in solchen Untersuchungen. Vergangene Woche zog Margarete Koppers die Verfahren an sich.

"Wir ermitteln schon sehr lange und haben keinen Erfolg", erklärt die Generalstaatsanwältin dazu. Da genüge bereits der "Anschein der Befangenheit", um weiteres Misstrauen in die Behörden zu schüren. Der Leiter der Staatsschutzabteilung und ein weiterer Staatsanwalt wurden bereits versetzt. Allesamt recht drakonische Schritte aufgrund der unbelegten Aussage eines einzelnen Tatverdächtigen. Trotzdem liegt die Vermutung nahe, dass es nicht Margarete Koppers sein wird, die diese Auseinandersetzung verliert. "Ich habe gelernt, die Machtposition zu nutzen", sagte sie einmal über ihre Zeit als Richterin am Berliner Landgericht. Widerstand zu brechen, das gehörte jedenfalls immer auch zur Karriere der gebürtigen Nordrhein-Westfälin.

Als Koppers vor gut 30 Jahren beim Justizsenat in Berlin anfing, war sie bereits Richterin. Doch anders als ihre männlichen Kollegen bekam sie nur Hiwi-Jobs zugewiesen. Das änderte sich erst, als sie zu ihrem Vorgesetzten sagte: "Wenn ich jetzt nicht sofort etwas Sinnvolles zu tun bekomme, dann gehe ich wieder." 20 Jahre später, als Vizechefin der Berliner Polizei, sorgte Koppers, die den Grünen nahesteht, für mehr Vielfalt in der Behörde; Frauen und Polizisten mit Migrationshintergrund werden seitdem gezielt gefördert, aber auch Social-Media-Projekte. Koppers sagt: "Ich habe Farbe in die Polizei gebracht." An Weihnachten führte ihre unkonventionelle Art einmal zu offener Empörung. Statt einer Prämie gab es da für die Beamten einen Polizeistern - als Keks-Ausstechform.

© SZ vom 11.08.2020

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