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Profil:Maggie Smith

(Foto: dpa)

Britische Schauspielerin mit Hang zum Adel.

Ruhm ist vergänglich, am besten hält er sich, wenn man beizeiten beginnt, sich neue Publikumsschichten zu erobern. Nicht jede Schauspielerin, die in den Fünfzigern als Nachwuchsstar galt, kennt im Jahr 2019 noch jedes Kind. Maggie Smith, 1934 in Essex geboren, hat das geschafft, sie ist auch heute noch jungen Menschen geläufig. Vielleicht nicht als große Shakespeare-Mimin, aber als Minerva McGonagall, Verwandlungs-Lehrerin, die sie in den "Harry Potter"-Filmen spielte.

Nachdem die Zauberschule Hogwarts von den Leinwänden verschwunden war, sattelte Maggie Smith auf Gräfin um. Von 2010 an übernahm sie in der britischen Fernsehserie "Downton Abbey" die Rolle der Violet, Mutter von Lord Grantham - die Serie war so erfolgreich, dass Maggie Smith nun auch in Asien berühmt ist. Bei Serienende sagte sie zwar, für sie sei nun Schluss - aber sie ist auch im Kinofilm "Downton Abbey" dabei, der diese Woche in Deutschland anläuft. Violet, die Gräfinwitwe, spinnt eine Intrige, und zwar weil eine kinderlose Verwandte sich weigert, Grantham im Testament zu berücksichtigen. Violet ist eine Diva von Geburt, ein bisschen zickig, ungeduldig, arrogant; aber weil "Downton Abbey" im britischen Adel immer nur das Beste sehen will, wirkt Violet beinahe sympathisch. Wenn Smith eine solche Rolle spielt, ist das wundervoll anzusehen - denn es sieht so aus, als ob sie jede Sekunde des Spiels genießt.

Lange bevor sich Drehbuchautor Julian Fellowes die Serie ausdachte, war Maggie Smith schon eine Legende. Als die Serie startete, hatte sie bereits eine Karriere hinter sich, die eigentlich gar nicht mehr ausbaufähig war: 1952, mit nur 17 Jahren, stand sie im Oxford Playhouse in "Was ihr wollt" das erste Mal auf der Bühne. In den Sechzigern stieg sie zu einer der großen Damen des National Theatre in London auf, spielte mehrfach mit Sir Laurence Olivier. Für einen ihrer ersten großen Kinoauftritte in "Die besten Jahre der Miss Jean Brodie" bekam sie 1970 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Natürlich hat sie auch den Fernsehpreis Emmy und alle gängigen britischen Theaterpreise bekommen, sogar den wichtigsten amerikanischen, den Tony, sie spielte auch am Broadway. Für ihre Leistungen ist Smith auch geadelt worden - zur Dame Maggie Smith.

Smith gehört einer Generation von Schauspielerinnen an, in der es nur wenige schafften, auch in der zweiten Lebenshälfte noch Rollen zu bekommen. Sie selbst hat kontinuierlich gearbeitet - irgendwie hat sie es nebenher geschafft, zwei Kinder zu bekommen, sie war zwei Mal verheiratet. 1979 gewann sie einen zweiten Oscar als beste Nebendarstellerin in der Komödie "California Suite"; diese Trophäe dürfte ihrer weiteren Karriere geholfen haben. Ebenso die Selbstironie, mit der sie sich als fiese alte Dame zu inszenieren begann. Über diese Rollen sagte sie einmal: "Es ist richtig, dass ich wenig für dumme Menschen übrighabe; sie ja aber auch nicht für mich - also mache ich spitze Bemerkungen. Daran liegt es vielleicht, dass ich ganz gut darin bin, alte Damen zu spielen, die spitze Bemerkungen machen."

Andere mögen jenseits der Bühne so tun, als wären sie nett und bodenständig; Dame Maggie Smith hat irgendwann begonnen, ein Image zu pflegen, das der Gräfinwitwe Violet nahekommt. In dem Dokumentarfilm "Tea with the Dames" plauderte sie im vorigen Jahr etwa für Regisseur Roger Michell vor der Kamera mit ihren Freundinnen und Bühnenkolleginnen Judi Dench, Joan Plowright und Eileen Atkins - und fährt Michell herrlich über den Mund, gern mit dem Nachsatz: "Hätte ich das jetzt nicht sagen sollen?" Dann erzählt Plowrigth, wie sich Smith rührend um Plowrights kranken Mann Laurence Olivier kümmerte, wenn sie selbst verreisen musste. Es gibt sicher auch noch eine Maggie Smith, die keine Ähnlichkeit mit Violet hat. Violet ist eine Rolle. Aber Maggie Smith spielt halt für ihr Leben gern.

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