Profil:Leo Varadkar

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(Foto: AFP)

Neuer irischer Premierminister, der viele Klischees sprengt.

Von Christian Zaschke

Dass Irlands neuer Premierminister Leo Varadkar schwul ist, interessiert besonders die Medien außerhalb Irlands. In Porträts in der internationalen Presse wird stets darauf verwiesen, wie erstaunlich es sei, dass im einst katholisch-erzkonservativen Irland ein homosexueller Politiker eine solche Karriere hinlegt. Noch dazu einer mit Migrationshintergrund. Und dann auch noch einer, der so jung ist: Varadkar, der in dieser Woche vom irischen Parlament zum Premierminister gewählt wurde, ist erst 38 Jahre alt und damit der bisher jüngste Regierungschef des Landes. Sein Vorgänger Enda Kenny hatte vor einem Monat seinen Rücktritt verkündet. Nachdem Varadkar ihm Anfang des Monats an der Spitze der regierenden Partei Fine Gael gefolgt war, hat er nun auch das Amt des Taoiseach, des irischen Premierministers, übernommen.

In irischen Medien spielt Varadkars Sexualität keine Rolle. Die Berichterstattung über den neuen Premier konzentrierte sich zuletzt vor allem auf dessen wirtschaftliche Prioritäten. Aufsehen erregte sein Satz, er wolle der Premierminister sein, der für die da ist, "die morgens früh aufstehen". Seine Kritiker monierten, das erinnere vom Tonfall her doch sehr an die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher. Tatsächlich ist auch Varadkar ein konservativer Politiker, der viel von einem schlanken öffentlichen Haushalt hält.

Im Jahr 2015 hatte er sich in einem Radio-Interview als schwul geoutet und dazu angemerkt: "Das ist nichts Besonderes für mich, und ich hoffe, dass es auch für sonst niemanden etwas besonderes ist - denn das sollte es nicht sein." Wenige Wochen später wurde Irland das weltweit erste Land, dass die Homo-Ehe per Volksabstimmung legalisierte. Das war auch deshalb bemerkenswert, weil Homosexualität in Irland noch bis 1993 strafbar war.

Varadkar wurde 1979 als Sohn eines indischen Vaters und einer irischen Mutter in Dublin geboren. Die beiden hatten sich in einem Krankenhaus in England kennengelernt, wo sie als Krankenschwester und er als Arzt arbeitete. Nachdem sie für eine Weile nach Indien gezogen waren, ließen sie sich in Irland nieder. Damals war das Land erzkatholisch und gehörte zu den ärmeren Staaten Europas. Einwanderer gab es kaum. Inzwischen ist der Einfluss der katholischen Kirche stark zurückgegangen und die Gesellschaft deutlich offener und auch vielfältiger geworden.

Bereits als Jugendlicher trat Varadkar der konservativen Partei Fine Gael bei. Neben seinem Studium der Medizin war er politisch sehr engagiert. Er wurde 2004 Stadtrat in der Region Dublin und zog 2007 als 28-Jähriger erstmals ins Parlament ein. Seit Fine Gael 2011 Regierungspartei wurde, hatte er mehrere Ministerämter inne, unter anderem für Verkehr und Gesundheit. Über sich selbst sagt der neue irische Premier: "Ich bin kein halb indischer Politiker oder ein Arzt-Politiker oder ein schwuler Politiker. Das alles ist nur Teil von dem, was ich bin."

© SZ vom 16.06.2017
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