Profil:Hubert Wimber

Profil: Erster Polizeipräsident der Grünen in Deutschland, geht nun in Pension: Hubert Wimber.

Erster Polizeipräsident der Grünen in Deutschland, geht nun in Pension: Hubert Wimber.

(Foto: dpa)

Erster Polizeipräsident der Grünen in Deutschland, geht nun in Pension.

Von Bernd Dörries

Zum Schluss wurde er noch in eine Arbeitsgruppe berufen, die sich mit dem demografischen Wandel beschäftigt. Hubert Wimber war bisher nicht dadurch aufgefallen, dass er zu diesem Thema eine besondere Meinung hat, aber Experte ist er trotzdem: Am Montag geht der Polizeipräsident von Münster mit 66 Jahren in Pension. Und das Land verliert seinen ersten grünen Polizeipräsidenten, der sich oft und laut für eine völlige Freigabe von Haschisch eingesetzt hat. Das Land gewinnt aber auch den ersten Vorsitzenden der hierzulande neuen Organisation Leap: Law Enforcement against Prohibition. Es ist ein in Amerika gegründeter Verein von ehemaligen und amtierenden Strafverfolgern, die der Ansicht sind, dass die seit Jahrzehnten verfolgte repressive Drogenpolitik am Ende ist.

"Der Umgang mit psychoaktiven Substanzen sollte ein Problem der Gesundheitspolitik und nicht der Strafverfolgung sein", hat Wimber in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt. Eigentlich wollte er bereits Ende 2014 die deutsche Sektion von Leap gründen, aber das Düsseldorfer Innenministerium verbot es ihm. Und setzte Wimber in die Arbeitsgruppe demografischer Wandel. Wenn es um die Drogenpolitik geht, ist die SPD nicht sonderlich flexibel. Zu groß ist die Angst davor, in Fragen der inneren Sicherheit als weich zu gelten.

Wimber wurde 1997 von Johannes Rau ins Amt berufen. Der hatte gerade seine Mehrheit in Düsseldorf verloren und musste nun mit den Grünen koalieren. Die wollten zeigen, dass sie das auch können, Polizei und innere Sicherheit. Joschka Fischer wollte damals, dass die Grünen in Düsseldorf den Innenminister stellen. Letztlich kriegten sie nur den Münsteraner Polizeipräsidenten.

Manchmal wirkt es so, als habe sich in den 18 Jahren, in denen Wimber an der Spitze der Polizei stand, gar nicht so viel verändert. Die CDU-Opposition im Landtag stellte vor einiger Zeit eine Anfrage zu Wimber und seiner Haltung zu Cannabis: "Narrenfreiheit für den Münsteraner Polizeipräsidenten", lautete der Titel.

Vielleicht sind die Bürger da schon weiter als die Politik. Die Menschen in Münster haben sich nie daran gestört, dass Wimber für eine Freigabe von Haschisch ist, weil er glaubt, die Ressourcen der Polizei könnten sinnvoller eingesetzt werden, als dass die Ermittler jeden noch so kleinen Krümel Gras bürokratisch verarzten müssen - auch wenn das Verfahren dann von den Staatsanwälten ohnehin eingestellt wird. Der Bürger in Münster ärgerten sich eher darüber, dass Wimber auch dafür eintrat, nicht bei jedem kleinen Unfall mit Blechschaden oder bei Ruhestörung die Polizei zu rufen. Auch das entlaste die Polizei für wichtigere Aufgaben. Für die Jagd auf die großen Diebe.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe der grüne Polizeipräsident auch beim Kampf gegen die Kriminellen oft ein Auge zugedrückt: Münster steht regelmäßig an der Spitze der Kriminalitätsstatistiken. Was aber nicht die Schuld von Wimber ist, dem in Münster durchaus ein hartes Durchgreifen attestiert wird, wenn nötig. Münster ist Fahrradhauptstadt der Republik. "Ein Münsteraner, dem noch nie ein Fahrrad geklaut worden ist, ist kein echter Münsteraner", so lautet ein geflügeltes Wort in der Stadt. Bis zu 6000 sind es im Jahr, was Wimber die Statistik verhagelt, die sich ansonsten durchaus sehen lassen kann.

Manch grünen Parteifreund hat Wimber aber enttäuscht. Die Autonomen beschwerten sich wegen des harten Vorgehens. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte Wimber durch, dass die Atomtransporte nach Ahaus durchkommen. "Als ich im Hubschrauber über Ahaus flog und die vielen Polizisten sah, war das für mich allerdings schon bedrückend. Es war eine belagerte Stadt", erinnert sich Wimber. "Was später für Joschka Fischer und die Grünen die Kosovo-Entscheidung war, war im Kleinen für mich und die Grünen der Castor-Transport."

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