Profil Hu Haifeng

(Foto: Jason Lee/Reuters)

Prinzling und vermeintlicher Alleskönner, der von Präsident Xi umworben wird.

Von Lea Deuber

Xi'an? Das sei eine schöne Stadt. Es blieb bei diesem einzigen Kommentar, den Hu Haifeng während des Volkskongress in Peking in den vergangenen Tagen zu den Gerüchten um seine neue Stelle abgab. Auch wenn er es selbst nicht bestätigen wollte, scheint inzwischen klar zu sein, dass der Sohn des früheren Staats- und Parteichefs Hu Jintao bald nach Xi'an ziehen wird. Der 46-Jährige soll neuer Parteisekretär in der Hauptstadt der nordwestchinesischen Provinz Shaanxi werden.

Ein gewaltiger Karrieresprung, selbst für einen "Prinzling". So nennt das Volk die Kinder von hochrangigen Parteifunktionären. Aufgrund ihres Familienhintergrundes steht ihnen meist eine glänzende Karriere bevor. Politische Macht wird in China vererbt, und gute Beziehungen zur Regierung sind Gold wert. So reißen sich internationale wie heimische Firmen um den KP-Nachwuchs. Auch Präsident Xi Jinpings Vater, Xi Zhongxun, war Politiker, bevor sein Sohn zum obersten Mann im Staat aufstieg.

Dem Sohn seines Vorgängers nun mehr Macht innerhalb der Partei zuzugestehen, könnte der Versuch von Präsident Xi sein, einen einflussreichen Kritiker ruhigzustellen. Die Entscheidung käme kurz bevor er diese Woche in Richtung Europa aufbricht, um dort im Konflikt mit den USA um die Gunst der Europäer zu werben. Trotz der Machtfülle, die sich Xi in den vergangenen Jahren gesichert hat, spürt der Präsident den Druck innerhalb der eigenen Partei. Sein vollmundiges Auftreten hat im Ausland heftigen Widerstand gegen die Politik des Landes provoziert. Kritiker in den eigenen Reihen behaupten, der Handelskrieg mit Washington hätte verhindert oder zumindest um ein paar Jahre aufgeschoben werden können. Dann hätte den USA bereits ein stärkeres und zunehmend autarkes China gegenübergestanden.

Er wechsle spielerisch zwischen der Welt der Politik, den Hightechfirmen und der Forschung, lobt ihn die Staatspresse

Hu Haifeng begann seine Karriere nicht in der Politik, sondern in der Wirtschaft. Der IT-Ingenieur studierte an der renommierten Beijing-Jiaotong-Universität und wechselte für ein Masterprogramm an die Tsinghua-Universität. Nach seinem Berufseinstieg arbeitete er sich innerhalb weniger Jahre bis zum Vorstandsvorsitzenden des staatlichen Nuctech-Konzerns hoch, der Geräte für die Sicherheitskontrolle von Containern an Flughäfen und im Schiffsverkehr produziert. Vor zehn Jahren war die Firma in Namibia in einen Korruptionsskandal verwickelt. Eine Beteiligung von Hu wurde nicht nachgewiesen.

Auffällig an dem Prinzling sind nicht nur seine grauen Haare, die er sich nicht wie sein Vater und andere Spitzenpolitiker schwarz färbt. Er trat 1995 mit 22 Jahren in die KP ein, entschied sich aber erst 2013 für eine hauptberufliche politische Laufbahn. Zwei Jahre war er Bürgermeister in Jiaxing in der ostchinesischen Provinz Zhejiang. Im Sommer übernahm er die Position des Parteichefs in Lishui, einer Zwei-Millionen-Stadt in derselben Provinz. Chinas Medien nennen ihn einen Alleskönner. Er sei nicht nur der jüngste Parteisekretär der Provinz, sondern wechsle spielerisch zwischen der Welt der Politik, den Hightechfirmen und der Forschung, lobt ihn die Staatspresse. Sein Auftreten sei bescheiden und zurückhaltend. Zahlreiche solcher schmeichelhafter Berichte kursieren über ihn. Aber auch in der Bevölkerung gilt er als beliebt. Im Februar wurde im Netz ein Video Hunderttausend Male geklickt, in dem er "ungewöhnlich direkt und offen" spreche, wie Nutzer kommentierten. Zudem hat er sich den Ruf eines Umweltschützers erarbeitet, was viele Chinesen schätzen.

Dass er nun Parteisekretär in Xi'an werden soll, überrascht trotzdem. Die Stadt ist längst nicht nur für ihre Terrakottaarmee berühmt. Bald soll sie zu einem Drehkreuz der neuen Handelsrouten nach Europa werden. Die Provinzhauptstadt ist zudem nicht nur deutlich größer als die Städte, die Hu bisher leitete; sie wurde zuletzt auch von Korruptionsskandalen erschüttert.