Terrorismus Al-Qaidas neuer Kronprinz

Wird als neuer Chef von al-Qaida gehandelt: Hamza bin Laden (auf einem Youtube-Screenshot)

(Foto: Quelle: Youtube)

Er galt als Lieblingssohn Osama bin Ladens und wurde auch im Kampf geschult. Nun soll Hamza bin Laden neuer Chef der Terrororganisation al-Qaida werden.

Von Moritz Baumstieger

Es klang wie eine Nachricht aus der Vergangenheit: "Al-Qaida: Bin Laden ruft zum Sturz des saudischen Königshauses auf", hieß es Ende vergangener Woche in Berichten. Doch der Mann, der die saudische Jugend aufforderte, sich zunächst der al-Qaida-Filiale im Nachbarland Jemen anzuschließen, um dort "die nötige Erfahrung in der Kampfführung" für den Umsturz in der Heimat zu sammeln, war natürlich nicht Osama bin Laden selbst; diesen erschossen amerikanische Spezialkräfte im Jahr 2011 in Pakistan. Stattdessen durfte sein Sohn Hamza schon dritten Mal in diesem Jahr eine Botschaft im Namen von al-Qaida verbreiten.

Hamza ist, je nach Quelle, entweder 24 oder 25 Jahre alt, es existieren von ihm nur Fotos, die ihn als Kind oder Jugendlichen zeigen. Doch er wird mittlerweile als "Kronprinz" tituliert, als möglicher Nachfolger seines Vaters, den man einst "Terrorfürst" nannte. Dass die Terrororganisation Hamza auf den Schild hebt, kann man als Zeichen ihrer Schwäche deuten: Al-Qaida hat an Bedeutung verloren, seit der Anführer des "Islamischen Staats", Abu Bakr al-Baghdadi, in Syrien und Irak das Kalifat ausgerufen hat. Der IS hat das geschaffen, was einst auch al-Qaida als fernes Ziel anstrebte: einen eigenen Staat auf Basis der Scharia, aus dem der Dschihad in die Welt getragen wird - diese Realität erscheint jungen Radikalen interessanter als die Utopie der alten Herren von al-Qaida, die sich mit ihren grauen Bärten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet verstecken.

Mit Hamza will al-Qaida nun einen Nachfolger für Aiman al-Zawahiri aufbauen, der Osama bin Laden nach dessen Tötung 2011 an der Spitze gefolgt war. Einerseits ist das nicht überraschend, der Name bin Laden hat immer noch große Anziehungskraft, auch die mit al-Qaida verfeindeten IS-Anhänger verehren den Urheber der Anschläge des 11. September. Andererseits verträgt sich ein dynastisches Prinzip nur schwer mit dem radikalen Islam. Ein Grund für dessen Erfolg war immer seine egalitäre Haltung. Alle "Brüder" zählten gleich, egal aus welcher Familie sie stammten, ein attraktives Versprechen in Ländern, wo Beziehungen und Herkunft maßgeblich den Lebensweg bestimmen.

Hamza bin Ladens Biografie schien immer auf eine Spitzenposition im Dschihad hinauszulaufen. Er galt als Lieblingssohn Osamas, sollte nach dessen Willen in Katar den Koran studieren, um al-Qaida einmal in theologischen Fragen leiten zu können. Hamza wurde auch im Kampf geschult; als US-Spezialkräfte das Versteck seines Vaters in Pakistan angriffen, soll er sich in einem Ausbildungslager befunden haben. Schon als Kind hatte er Auftritte in Propaganda-Videos, aus einem solchen stammt auch das letzte bekannte Bild vom Hamza. Seine Wortmeldung vergangene Woche erfolgte, wie schon bei den beiden Mal zuvor, über eine 20 Minuten lange Audio-Botschaft. Der mögliche neue Anführer von al-Qaida ist also bislang ein Anführer ohne Gesicht.