Profil:Haifaa Al Mansour

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(Foto: Theo Wargo/Getty)

Filmregisseurin und Pionierin aus Saudi-Arabien.

Von Susan Vahabzadeh

Auch Spielfilme dokumentieren die Veränderung der Welt. In den Filmen der Regisseurin Haifaa Al Mansour kann man sehen, wie sich der Alltag für Frauen in Saudi-Arabien verändert hat im Verlauf dieses Jahrzehnts. 2012 lief ihr Debüt, "Das Mädchen Wadjda", bei den Filmfestspielen in Venedig - da ging es um ein junges Mädchen, das unbedingt auf der Straße mit dem Fahrrad fahren will, während die erwachsenen Frauen auf einen Chauffeur angewiesen sind, wenn sie zur Arbeit müssen oder zum Einkaufen. Am Wochenende hat Haifaa Al Mansour ihren neuen Film "The Perfect Candidate" im Wettbewerb in Venedig vorgestellt. Diesmal sitzt die Heldin, Dr. Maryam, selbst am Steuer ihres Autos, wenn sie ins Krankenhaus fährt. Auf der Leinwand ist das tatsächlich ein Novum: Erst im vergangenen Jahr hat Kronprinz Mohammed bin Salman das Fahrverbot für Frauen aufgehoben.

Maryam, eine junge Ärztin, hat manchen Patienten, der sich an eine Frau wie sie erst noch gewöhnen muss - sie soll beispielsweise einen alten Mann behandeln, der sich von ihr nicht anfassen lassen will, obwohl kein anderer Arzt in der Nähe ist und sein Sohn ihm gut zuredet. In die Lokalpolitik gerät sie nur zufällig: Sie lässt sich als Kandidatin für die Gemeinderatswahl eintragen, weil sie sonst nicht im Rathaus vorgelassen würde, um sich über den Zustand der Straße zu beschweren, die zum Krankenhaus führt. Dann führt eines zum anderen, und sie kandidiert wirklich. Vor allem andere Frauen stehen ihr dabei zur Seite. Sie wollte, so Haifaa Al Mansour, von weiblicher Solidarität erzählen.

Auch die Behörden ermutigen Maryam zu ihrer Kandidatur. Wenn das im echten Alltag nicht so wäre, käme das aber wohl kaum in einem Film aus Saudi-Arabien vor. Haifaa Al Mansour möchte, dass "The Perfect Candidate", wie auch schon "Das Mädchen Wadjda", in Saudi-Arabien selbst gezeigt wird, und sie arbeite, hat sie in Venedig gesagt, mit den Behörden zusammen, damit der Film die Bedingungen dafür erfüllt. Kontroversen werde es, wenn der Film läuft, sowieso geben.

Die hat Haifaa Al Mansour in Saudi-Arabien immer wieder erzeugt, schon mit ihren ersten Kurzfilmen über Verschleierung. Als politisch will sie sich nicht verstanden wissen - das hat sie in Venedig geantwortet, wenn Journalisten ihr Fragen zum saudischen Regime gestellt haben. Sie war in den letzten Jahren auch gar nicht immer in Saudi-Arabien. Ihren letzten großen Film hat sie in den USA gedreht, "Mary Shelley", einen Spielfilm über die Frankenstein-Autorin.

Geboren wurde Haifaa Al Mansour 1974 in Saudi-Arabien, sie hat in Kairo und in Sydney Literatur und Film studiert. Ihre Eltern, erzählt sie, waren sehr liberal, aber sobald sie aus dem Haus ging, bewegte sie sich in einer anderen Welt. Das Spannungsfeld zwischen öffentlichem und privatem Raum, das in Saudi-Arabien eine so große Rolle spielt, prägt ihre Geschichten und natürlich ihre Arbeit. "Das Mädchen Wadjda" hat sie noch aus dem Inneren eines Lasters heraus inszeniert, bei allen Außendrehs hat sie dort vor einem Monitor gesessen und ihre Regieanweisungen mit einem Walkie-Talkie gegeben - sie hätte sich damals nicht auf die Straße stellen und einem männlichen Team Befehle erteilen können.

"Das Mädchen Wadjda" wurde bei der Premiere in Venedig als erster Spielfilm aus Saudi-Arabien bezeichnet, was nicht richtig ist. Er war der erste Film von einer Regisseurin, und der erste, den Saudi-Arabien je für die Oscars eingereicht hat. Gedreht wurde vorher auch gelegentlich, aber zu sehen waren die Filme nur im Ausland oder auf DVD. Mehr als dreißig Jahre lang waren Filmtheater in Saudi-Arabien verboten, das Kino galt den religiösen Führern als Unruhestifter. Erst seit 2018 gibt es in einigen Großstädten Kinos. Demnächst soll erstmals ein Filmfestival stattfinden. Dort möchte Haifaa Al Mansour mit "The Perfect Candidate" unbedingt dabei sein.

© SZ vom 02.09.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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