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US-Milliardär:George Soros: Der Mann, den Orbán hasst

George Soros

George Soros: Finanzinvestor, Philanthrop und Staatsfeind Nummer eins in Ungarn.

Der Finanzinvestor und Philanthrop ist schwerreich - und in seiner Geburtsheimat Ungarn Staatsfeind Nummer eins.

Angst sei eine der größten Gefahren für offene Gesellschaften, warnte George Soros zu Beginn dieses bedrohlichen Jahres, das er als schicksalhaft ansieht für die EU und die USA. Weil wachsender Hass Angst gebäre und Angst plurale Gesellschaften bedrohe, kündigte er für 2017 eine neue Kampagne seiner Open Society Foundations (OSF) an, mit der Organisationen unterstützt werden sollen, die Opfer von Hass-Attacken werden.

Offene Gesellschaften als Lebenselixier der Demokratie - dieses Mantra hat der junge Student Soros dereinst an der London School of Economics von seinem damaligen Professor, dem Philosophen Karl Popper, übernommen. Dabei sind es die Stiftungen des mittlerweile 86-jährigen ungarisch-amerikanischen Investors und Philanthropen selbst, die mit ihren Menschenrechtsprojekten, ihren Förderprogrammen für Minderheiten und Medien in mehr als hundert Ländern regelmäßig Hass-Attacken auf sich ziehen. In Ungarn hat er es zum Staatsfeind Nummer eins gebracht.

So hat die ungarische Regierung angekündigt, sie werde Nicht-Regierungsorganisationen, die von Soros finanziert werden, "aus dem Land kehren". Ministerpräsident Viktor Orbán wirft dem Milliardär, der in Budapest als György Schwartz geboren wurde, vor, die Flüchtlingskrise inszeniert zu haben, um Nationalstaaten wie Ungarn zu schwächen. Russland hatte schon 2015 zwei Soros-Stiftungen für "unerwünscht" erklärt und aus dem Land geworfen; sie würden die Verfassung bedrohen.

Soros ist ein Lieblingsfeind von Wladimir Putin, weil er die Demokratiebewegung in Osteuropa schon seit den 80er-Jahren unterstützte und, darauf ist er durchaus stolz, so zum Ende der Sowjetunion beigetragen hat. Schon seit Jahren warnt Soros nun wiederum davor, dass Putin am Zerfall der EU arbeite und rechtsextreme Organisationen fördere.

Soros ist einer der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten Finanzinvestoren der Welt. Legendär ist seine Wette gegen das britische Pfund 1992, mit der er allein eine Milliarde Dollar verdiente. Sein Vermögen wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt, große Teile davon steckt er in wohltätige Zwecke, in die OSF und die Soros-Foundation. Während ihn seine Bewunderer als "Speerspitze der internationalen Bürgergesellschaft" feiern, der die Schwachen unterstütze, ist er bei seinen Kritikern als Spekulant und "Möchtegern-Staatsmann" verschrien, der nach Gusto Regierungen stürze und Europa zerstören wolle.

Soros stammt aus einer jüdischen Familie und hat mit viel Glück den Holocaust in Budapest überlebt, nach dem Krieg rettete er sich in die USA. Den antisemitisch grundierten Hass, den er vor allem von Rechten und zunehmend von osteuropäischen Politikern auf sich zieht, nehme er "nicht persönlich", sagt er. Wobei ihn Attacken wie die von Orbán doch verwundern dürften. Der war selbst mal Soros-Stipendiat gewesen.

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