Profil:Gabi Aschkenasi

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(Foto: Jack Guez/AFP)

Israels neuer Außenminister mit militärischem Gehorsam.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Befehl ist Befehl. Das ist in der Politik nicht anders als in der Armee. Zumindest, wenn man so eine Auffassung von Pflichterfüllung hat wie Gabi Aschkenasi. Der frühere Generalstabschef der israelischen Streitkräfte wäre lieber Verteidigungsminister geworden. Das hat ihm Benny Gantz öffentlich versprochen. Auf Geheiß von Gantz muss der 65-Jährige nun den Posten des Außenministers in der auf drei Jahre angelegten Einheitsregierung übernehmen. Aschkenasi fügt sich dem Kommando, denn Gantz ist sein Chef in der blau-weißen Partei.

In der Armeeführung war Gantz Aschkenasis Nachfolger. Gantz will nun selbst Verteidigungsminister werden in einer Regierung, die wieder von Benjamin Netanjahu geführt wird. In dieser Position, so hofft der künftige Vize-Ministerpräsident, hat er mehr Einfluss auf heikle Entscheidungen wie die von Juli an mögliche Annexion von Teilen des Westjordanlandes, auf die sich Gantz und Netanjahu verständigt haben. Ohne Militär sind diese Schritte nicht umsetzbar. Gantz will die Kontrolle am Boden behalten.

Um die diplomatischen Auswirkungen wird sich Aschkenasi kümmern müssen. Mit politischen Äußerungen und Positionierungen hielt er sich bisher zurück. Wenn sich Netanjahu tatsächlich an die vereinbarte Rotation hält und Gantz im Oktober 2021 Regierungschef wird, dann gibt es für Aschkenasi die Chance, doch noch auf seine Wunschposition im Verteidigungsressort zu gelangen. Erst einmal jedenfalls wird der Anzug seine neue Dienstuniform: Daran wird sich Aschkenasi gewöhnen müssen, ebenso werden es auch die Israelis. Denn man kennt ihn eigentlich nur in Armeekleidung.

Seine militärische Laufbahn begann der Sohn eines Holocaust-Überlebenden aus Bulgarien und einer aus Syrien stammenden Jüdin vor fast 50 Jahren in der prestigeträchtigen Golani-Brigade. Er nahm 1976 teil an der Operation "Entebbe", einer Befreiungsaktion auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda. Israelische Sicherheitskräfte beendeten die Entführung eines Passagierflugzeugs durch palästinensische und deutsche Terroristen mit 102 überwiegend israelischen Passagieren an Bord. Kommandant Yoni Netanjahu, der ältere Bruder des Ministerpräsidenten, kam damals ums Leben.

Bei seinem Abschied aus dem Militärdienst ließ Aschkenasi ein Video anfertigen, das für Überraschungen sorgte. Darin kam seine Beteiligung an der Bombardierung eines syrischen Atomreaktors und die Entwicklung des Computervirus Stuxnet vor - für beides hatte die israelische Regierung offiziell nie die Verantwortung übernommen. Aschkenasi war als Generalstabschef auch verantwortlich für die Operation " Gegossenes Blei", die israelische Militäraktion im Gazastreifen zum Jahreswechsel 2008/09.

Als es Gantz 2018 in die Politik zog, zögerte Aschkenasi zuerst, seinem Weggefährten aus der Armeezeit zu folgen. Erst als Gantz die Bedingung erfüllte, eine Allianz mit Jair Lapid und Mosche Jaalon einzugehen, schloss sich auch Aschkenasi dem blau-weißen Bündnis an. Der in Zentralisrael in einem Moschav, einer Genossenschaftssiedlung, aufgewachsene zweifache Familienvater bringt das mit, was Gantz fehlt: Er ist leutselig und kann gut auf Menschen zugehen. Als oberster Armeechef war Aschkenasi bei einfachen Soldaten beliebt, weil er sie auch nach ihrer Meinung fragte. Er verlangte von seiner Truppe nicht nur Disziplin, sondern insbesondere Mitdenken.

Er war der dritte General in der Führung von Blau-Weiß. Aschkenasi hielt Gantz auch dann die Treue, als sich dieser mit Verweis auf die notwendige Bündelung der Kräfte wegen der Corona-Krise auf Koalitionsverhandlungen mit Netanjahu einließ und ihm Lapid und Jaalon Verrat vorwarfen. Aschkenasi muss nun zeigen, dass er nicht nur die Gepflogenheiten auf dem Kasernenhof kennt, sondern eben auch die der internationalen Diplomatie.

© SZ vom 22.04.2020
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