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Evangelos Meimarakis:Der Anti-Tsipras

Chef der Nea Demokratia in Griechenland: Evangelos-Vassilios Meimarakis

Er galt als Übergangslösung, jetzt hat Evangelos Meimarakis echte Chancen bei der Neuwahl in Griechenland.

(Foto: Bloomberg)

Die Griechen haben den Zickzackkurs und das Chaos der vergangenen Monate satt. Sie wollen keine schillernden Figuren mehr an der Regierungsspitze, sondern Verlässlichkeit. Davon profitiert der neue Parteichef der Konservativen.

Wenn derzeit eines sicher ist in der griechischen Politik, dann dies: Alles fließt. Wer gestern führte, kann heute schon zurückliegen. Das erlebt gerade Alexis Tsipras. Noch bis vor ein paar Wochen lag der Syriza-Chef und frühere Premierminister in den Umfragen weit vorne, die Opposition schien abgemeldet zu sein. Die konservative Nea Dimokratia (ND) war zudem führungslos, ihr langjähriger Vorsitzender Antonis Samaras hatte im Juli hingeworfen. Nachfolger wurde Evangelos Meimarakis - 61 Jahre alt, seit mehr als 40 Jahren ND-Mitglied, seit einem Vierteljahrhundert Abgeordneter. Er galt als Übergangslösung.

Doch dann trat Tsipras zurück, rief Neuwahlen aus, und plötzlich ist alles anders. Jetzt, keine zwei Wochen vor der Wahl, liegen ND und Syriza fast gleichauf, manche Umfragen sehen die Konservativen sogar leicht in Führung. Geschafft hat diese Wende ein Politiker, der mit Besonnenheit punktet und eine einfache, direkte Sprache pflegt, was gut ankommt bei Wählern vor allem im ländlichen Raum.

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Dabei entstammt Evangelos Meimarakis einem eher bürgerlichen Athener Milieu, er studierte Jura, war Gründungsmitglied der ND-Jugendorganisation, später Minister und Parlamentspräsident. Sein Vater und ein Onkel waren auch ND-Abgeordnete - eine typische griechische Politdynastie.

Seine Strategie: sich alle Türen offen halten

Im Wahlkampf, in dem am Mittwochabend die Vorsitzenden der wichtigsten Parteien im TV-Duell aufeinandertrafen, besteht Meimarakis' Strategie bisher vor allem darin, sich alle Türen offen zu halten. Er sei bereit, mit Syriza eine Koalitionsregierung zu bilden, und bestehe auch nicht auf dem Posten des Ministerpräsidenten, betont er in Interviews. Wichtig sei eine "breite Zusammenarbeit" der proeuropäischen Kräfte, die Stabilisierung der Wirtschaft und die Verankerung Griechenlands in der Euro-Zone.

Das von Tsipras mit den Geldgebern ausgehandelte dritte Reformprogramm hat Meimarakis als "schmerzhaft" bezeichnet, daran festhalten will er dennoch. Als Syriza vor ein paar Wochen ohne eigene Mehrheit im Parlament dastand, hielt Meimarakis seine Fraktion dazu an, das Hilfsprogramm zu unterstützen. Er hält es allerdings "in vielen Punkten für verbesserungswürdig". Sobald die Wirtschaft wieder Tritt gefasst habe, ließen sich Änderungen verlangen, sagt er.

Meimarakis profitiert wohl davon, dass viele Griechen Tsipras' Zickzackkurs und das Chaos des vergangenen halben Jahres satthaben. Dass sie keine schillernden Figuren mehr wollen, sondern einen, der Verlässlichkeit ausstrahlt. Bei Meimarakis wissen sie, woran sie sind. Das ist zugleich sein größter Schwachpunkt. Er ist ein Mann jenes Establishments, das verantwortlich gemacht wird für die Krise. Auch Korruptionsvorwürfe gibt es, die sich auf seine Zeit als Verteidigungsminister zwischen 2006 und 2009 beziehen. 2012 ließ er deswegen sein Amt als Parlamentspräsident zeitweise ruhen. Offen ist, ob das die etwa zehn Prozent noch unentschlossenen Wähler abschreckt.