Enrique Peña Nieto Für Mexikos Präsidenten steht bei der US-Wahl viel auf dem Spiel

Erwartet Besuch aus den USA: Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.

(Foto: dpa)

Gewinnt Trump, werden die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko empfindlich leiden. Trotzdem dürfte Präsident Peña Nieto freundlichere Töne anschlagen, wenn der Republikaner zu Besuch kommt.

Von Hubert Wetzel

Vielleicht hat Enrique Peña Nieto gar nicht damit gerechnet, dass die Gäste wirklich kommen werden. Schließlich sind Hillary Clinton und Donald Trump dieser Tage sehr mit Wahlkampf beschäftigt. Was sollen sie da in Mexiko, selbst wenn der Staatspräsident persönlich sie einlädt?

Doch Trump wäre nicht Trump, ließe er sich ein gutes Geschäft entgehen, in diesem Fall ein politisches: Der republikanische Präsidentschaftskandidat erzählt den Wählern, er sei der Mann, der endlich die illegale Einwanderung aus Mexiko stoppen werde. Am Mittwoch wollte Trump in einer Rede darlegen, wie er das genau anstellen will. Und was wäre besser für Trumps Image als Macher und Zupacker, als vorher kurz bei Nieto in Mexiko-Stadt Station zu machen und schon mal mit den Verhandlungen zu beginnen? Von Präsident zu So-gut-wie-Präsident sozusagen?

Für Nieto - und Mexiko - steht bei dieser Wahl viel auf dem Spiel. Sollte Trump gewinnen, werden die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA leiden. Trump wird zumindest versuchen, seine geplante "wunderschöne" Mauer an der Grenze zu bauen und die Kosten dafür, wie versprochen, Mexiko aufzubürden. Nieto hat das zwar als absurd abgetan. Wenn Trump jedoch Ernst macht und als Druckmittel die Milliarden an Dollars stoppt, die jedes Jahr von Mexikanern aus den USA in ihre alte Heimat überwiesen werden, hat Nieto ein Problem. Ebenso, wenn Trump tatsächlich Millionen Menschen nach Mexiko zurückschickt oder das Freihandelsabkommen der beiden Staaten kündigt.

Nietos politische Erfolge sind nur ökonomischer Natur

Nieto ist seit 2012 Präsident Mexikos. Er gehört der (zumindest dem Namen nach) linken "Partei der institutionalisierten Revolution" an, die in Mexiko insgesamt schon mehr als 70 Jahre regiert und erst im Jahr 2000 erstmals die Macht verloren hatte. Nieto eroberte sie zurück. Er trat damals mit einem liberalen Wirtschaftsprogramm an, unter anderem wollte er den staatlichen Ölkonzern teilprivatisieren. Experten bescheinigen dem Präsidenten durchaus ökonomische Erfolge. Die beiden größten Probleme Mexikos hat er aber nicht in den Griff bekommen: die mörderische Drogenkriminalität sowie die Korruption. Tiefpunkt seiner Präsidentschaft war in dieser Hinsicht die Entführung und Ermordung von 43 Lehramtsstudenten vor zwei Jahren durch korrupte Polizisten und die Mordbanden eines Drogenkartells.

Nieto hat mehrmals gegen Trump ausgeteilt, der mexikanische Einwanderer als Mörder und Vergewaltiger beschimpft hatte. Trump sei ein Demagoge wie Adolf Hitler, ätzte Nieto. Am Mittwoch war der Ton offenbar etwas freundlicher - auch wenn viele Mexikaner empört sind, dass ihr Präsident Trump überhaupt empfing. Falls sich die beiden politisch wenig zu sagen haben, bietet das Private Stoff: Der 50-jährige Nieto hat drei eheliche und mehrere uneheliche Kinder und ist in zweiter Ehe mit dem TV-Sternchen Angélica Rivera verheiratet. Trump hat fünf Kinder und ist schon bei der dritten Frau.

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