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Präsidentschaftswahlen in Argentinien:Daniel Scioli soll Kirchners Erbe retten

Daniel Scioli nach den gewonnen Vorwahlen am 10. August in Buenos Aires.

(Foto: AFP)

Früher Rennboot-Weltmeister, heute Präsidentschaftskandidat: Daniel Scioli ist der Favorit im argentinischen Wahlkampf.

Von Boris Herrmann

Es war ein schöner argentinischer Sommertag, als Daniel Scioli seinen Arm verlor. Ein Fischkutter auf dem Rio Paraná hatte eine Welle ausgelöst, und der Rennbootsportler Scioli, der gerade auf bestem Weg zum Weltmeistertitel vorbeiraste, verlor die Kontrolle. Ein Horrorsturz. Scioli wäre fast im Wasser verblutet, als er wieder zu sich kam, hatten sie ihm den rechten Arm amputiert. Damals, im Dezember 1989, war der mutmaßlich nächste Präsident Argentiniens 25 Jahre alt. Er lernte, mit der linken Hand zu schreiben, legte sich eine Prothese zu und wurde noch ein paar Mal Weltmeister. Die Show muss weitergehen, wäre ein guter Titel seiner Biografie.

Scioli soll Kirchners Nachfolger werden

Im Jahr 2015 geht es in Argentinien um die Frage, wie die große Kirchner-Show ohne Cristina Fernández de Kirchner weitergeht. Am 25. Oktober wird ihr Nachfolger gewählt, die Präsidentin darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Scioli soll ihr Erbe retten. Nicht weil Kirchner den bisherigen Gouverneur der Provinz Buenos Aires besonders mögen würde, sondern weil er der aussichtsreichste Kandidat ihrer peronistischen "Front für den Sieg" ist.

Deutlicher Vorsprung bei den Vorwahlen

Bei den allgemeinen Vorwahlen am vergangenen Wochenende konnte Scioli seine Favoritenrolle bestätigen. Sie gelten als zuverlässige Generalprobe, weil die Kandidaten aller Parteien gleichzeitig von allen Argentiniern gewählt werden können. Scioli lag deutlich vor seinem härtesten Verfolger Mauricio Macri, dem konservativen Bürgermeister von Buenos Aires. Der Kirchnerismus kann demnach auf eine stabile Mehrheit von knapp 40 Prozent zählen. Es bleibt aber eine Restspannung. Wenn Scioli im ersten Durchgang nicht mit zehn Punkten Vorsprung gewinnt, muss er in die Stichwahl. Dann könnten sich alle Oppositionskräfte gegen ihn verbünden.

Scioli muss also kämpfen. Wohl auch deshalb war die Geschichte seines Armes schon Thema im Wahlkampf. Seine Frau Karina Rabolini twitterte ein Foto, das ihn beim Wechsel der Prothese zeigte. "Der neue Arm für die Auseinandersetzung im Oktober ist einsatzbereit", schrieb sie. Scioli sagt, seit dem Unfall wisse er, was er Gott zu verdanken habe. Nur so habe er seine politische Karriere beginnen können.

War bereits Vizepräsident unter Néstor Kirchner

Diese Karriere hat er aber auch Carlos Menem zu verdanken, dem höchst umstrittenen Ex-Präsidenten. Der holte den bekannten Sportler einst zu Image-Zwecken in die Politik. Scioli ist ein Stratege, der weniger polarisiert als Cristina Kirchner. Er hat ein feines Gespür dafür, zur richtigen Zeit die richtigen Allianzen zu schmieden. Mal mit Menem, mal mit den Kirchners. Es heißt, er habe keinen Stallgeruch im System K. Dabei war er immerhin Vizepräsident unter Cristinas - im Jahr 2010 verstorbenem - Ehemann Néstor Kirchner.

Scioli stammt aus wohlhabendem Elternhaus und studierte Marketing an einer Privatuniversität. In Kirchners schwerster Krise sagte er, er wolle das Land sanft reformieren. Seit die Umfragewerte der Präsidentin wieder steigen, ist von Reformen seltener die Rede.

© SZ vom 13.08.2015/lter
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