Profil Claudia Schmidtke

(Foto: Jan Kopetzky/CC BY-SA 3.0)

Politische Ärztin und bald auch Patientenbeauftragte der Bundesregierung.

Von Peter Burghardt

Ende November trat Professor Claudia Schmidtke ans Rednerpult des Bundestags, es lief die Bundestagsdebatte zum Thema Organspende. Sie unterstützte die von Gesundheitsminister Jens Spahn angeregte Widerspruchslösung. Natürlich klingt die kurze Rede in der Rückschau besonders, denn die Abgeordnete Schmidtke von der CDU wird nun Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Ihren Vortrag im Plenarsaal begann sie so: "Die Bürgerinnen meines Wahlkreises und die Bürger haben mich nicht in erster Linie als Politikerin in dieses Hohe Haus gewählt, sondern als Ärztin."

Das klang schon fast wie eine Bewerbung, die Stelle war da schon vakant. Der Vorgänger Ralf Brauksiepe hatte Amt (und Mandat) Anfang November 2018 niedergelegt und sich in die Wirtschaft verabschiedet. Jetzt macht der Parteikollege Spahn die Herzchirurgin Schmidtke zur Nachfolgerin, weshalb wieder der Briefkopf geändert werden muss. Statt wie zuletzt der Beauftragte heißt es dann bis auf Weiteres: die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patienten und Patientinnen.

Eingeführt worden war der Posten mit dem Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenkassen 2004, für die 52 Jahre alte Schmidtke ist die Berufung ein weiterer Schritt einer politischen Blitzkarriere. Erst 2015 trat sie in die CDU ein - "angetrieben von meinem Wunsch, den Hochschulstandort Lübeck zu stärken und die Flüchtlingskrise im Einvernehmen mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort zu lösen", wie sie in ihrer Kurzbiografie mitteilt. Im Bundestag sitzt Claudia Schmidtke seit September 2017, nachdem sie in ihrem Lübecker Wahlkreis den Rivalen aus der SPD bezwungen und für die CDU das Direktmandat gewonnen hatte.

Das war der Union in diesem hanseatischen und lange sozialdemokratisch dominierten Bezirk vor ihr letztmals 1995 gelungen, ein Coup. Sie nennt sich eine klassische Seiteneinsteigerin und stellt auf ihrer Website fest, dass sie im Parlament noch weniger Freizeit hat als vorher im Klinikalltag; zu ihren Hobbys zählen demnach Sport, die Hündin Clotilde, Freunde, Haus, Garten und ihre vollen Bücherregale. Sie sei "immer positiv, immer neugierig, immer chirurgisch direkt". Mehr als Politikerin war sie bisher Ärztin.

Geboren und aufgewachsen ist Claudia Schmidtke in Neumünster, in Hamburg studierte sie Medizin. An der Uni Lübeck folgten Facharztausbildung, Promotion und Habilitation. In Frankreich kamen Notfall- und Intensivmedizin dazu, außerdem besitzt sie ein MBA als Gesundheitsökonomin. Sie ist Oberärztin am Herzzentrum Bad Segeberg und Mitglied im Gesundheitsausschuss, in Kürze wird sie also Deutschlands Patientenbeauftragte.

Sie sei "fachlich versiert, persönlich engagiert, politisch erfahren", erläuterte Spahn im Tagesspiegel. Als Herzchirurgin seien ihr verbesserte Bedingungen in Gesundheitswesen und Pflege wichtig, schreibt Claudia Schmidtke. Als Professorin wisse sie die Hochschulen und Institute zu schätzen, Deutschland brauche seinen Platz in der Spitzengruppe.

Auf Facebook veranstaltete die Abgeordnete eine etwas überraschende Umfrage zur Homöopathie, von 35 000 Teilnehmern stimmten 61 Prozent für die Apothekenpflicht und Erstattungsfähigkeit homöopathischer Arzneimitteln. "Ich wusste, dass es ein kontroverses Thema ist", berichtete sie dem Bundesverband Patienten für Homöopathie, "aber nicht, dass gleich ein solcher Bürgerkrieg ausbricht." Ihre Meinung? Wollte sie sich noch bilden. Ihre Erfahrung? "Häufig heilt die Natur von selbst, nicht jedes Wehwehchen muss mit Chemie beantwortet werden."

Was das kontroverse Thema Organspende betrifft, so ist die politische Ärztin Schmidtke wie der Minister Spahn dafür, dass im Todesfall jeder Spender werden kann, der nicht zu Lebzeiten widerspricht. "Ich", sagte sie im Bundestag, "fühle mich hier und jetzt als Anwältin unserer Patienten."