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Profil:Choi Soon-sil: Südkoreas Albtraum

161219 SEOUL Dec 19 2016 Choi Soon Sil 2nd R the jailed confidante of impeached South

Choi Soon-sil: Schamanin und Inkarnation des südkoreanischen Albtraums

(Foto: imago/Xinhua)
  • Der Prozess gegen Choi Soon-sil wegen Machtmissbrauch und Bestechung haben begonnen.
  • Die Enthüllungen stürzten Südkoreas Demokratie in eine tiefe Krise, Choo ist enge Vertraute von Präsidentin Park.
  • Die Glaubwürdigkeit der koreanischen Politik steht auf dem Spiel denn die Verstrickungen der Familien reichen bis in die 1970er Jahre zurück.

Von Christoph Neidhart

Choi Soon-sil, die Frau im Zentrum der südkoreanischen Staatskrise, hat in ihrer ersten Vernehmung Anfang der Woche jede Schuld bestritten. In einem grauen Häftlingsanzug, mit gesenktem Kopf, murmelte sie vor Gericht, alle Anschuldigungen seien falsch. Sonst schwieg die 60-jährige Freundin von Präsidentin Park Geun-hye störrisch. Kaum zu glauben, dass dies die Frau sein soll, die sich Ende Oktober schluchzend verhaften ließ und sagte: "Ich habe Sünden begangen, für die ich den Tod verdiene." Und erst recht nicht die gleiche Frau, die Park als Schamanin wie eine Marionette gesteuert haben soll.

Die Anklage wirft Choi Machtmissbrauch und Bestechung vor. Unter anderem soll sie die Ewha-Universität, eine der besten Hochschulen Koreas, bestochen haben, um ihrer Tochter Yoo-ra zu einem Studienplatz zu verhelfen. Auch Yoo-ras Mittelschullehrer und die Preisrichter von Dressurreit-Prüfungen setzte sie unter Druck. Die Schule hat das Diplom der Tochter inzwischen annulliert. Der Choi-gate genannte Skandal flog überhaupt nur auf, weil Kommilitoninnen der Tochter protestierten. Yoo-ra höhnte daraufhin online, es spiele halt eine Rolle, was Eltern zustande brächten - und viel Geld zu haben sei eben auch eine Fähigkeit. Geradezu explosionsartig entwickelte sich von da an der Bestechungs- und Hörigkeits-Skandal, der Südkoreas demokratische Grundfeste ins Wanken brachte.

Staat und Politik sind eng verstrickt

Mutter Choi hat, seit Park im Amt ist, von Südkoreas Familienkonzernen (Chaebol) etwa 60 Millionen Euro angeblich für Sporthilfefonds erhalten. In Wirklichkeit sackte sie das Geld selber ein. Samsung kaufte der Tochter ein teures Dressurpferd. Die Anklage wirft Choi vor, sie habe diese Millionen den Chaebol abgepresst und dabei ihren Einfluss auf die Präsidentin als Druckmittel geltend gemacht. Park soll sich als Komplizin eingeschaltet haben. Beide Frauen bestreiten das. Die Chaebol verneinen, unter Druck gesetzt worden zu sein. Politik und Chaebol sind bis heute dicht verfilzt, sie halten zusammen.

Es gibt TV-Bilder aus dem Jahr 1979, auf denen die damals 23-jährige Choi ihre scheue Freundin Park zu einem Volksfest führt und ihr beim Sprechen soufflierte. Die jungen Frauen waren schon damals eng vertraut. Chois Vater, Choi Tae-Min, ein Sektenprediger, war ein enger Vertrauter von Parks Vater Park Chung-hee, der als Diktator von 1961 bis zu seiner Ermordung 1979 herrschte. Sein Mörder, Parks eigener Geheimdienstchef, sagte vor Gericht, der alte Choi habe zu viel Einfluss auf Park gehabt.

Viele Südkoreaner glauben, die Geschichte habe sich mit den Töchtern nun wiederholt. Park und Choi bestreiten auch dies, sie versuchen, ihre Verbindung auf eine enge Frauenfreundschaft zu reduzieren, in der es mehr um emotionelle Nähe, Handtaschen, Kleider und Frisuren ging. Die Anklage gibt bisher nicht zu erkennen, ob sie über klare Beweise für Straftaten verfügt.

© SZ vom 22.12.2016/mvdm

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