bedeckt München 24°

Profil:Bernard Arnault

(Foto: AFP)

Multimilliardär und Chef der Luxusgruppe LVMH mit Gespür für Trends.

Wüsste man nicht, wer er ist, man würde seine Ankunft bei einer Modenschau dennoch niemals verpassen. Schlanke 1,87 Meter Körpergröße, makellos geschnittener Anzug, allerfeinst moduliertes Mienenspiel. Um ihn herum bei allem Gewühl stets respektvolle Distanz, die nur jene zu unterschreiten wagen, die seine Gunst besitzen: CEOs, Kreativchefs, Hollywood-Stars, Politiker, die Familie. Er spricht mit der fast provozierend leisen Stimme von Menschen, die es gewohnt sind, in jeder Situation gehört zu werden. Die in der Front Row sitzen, nicht nur bei Fashion Shows, sondern einfach immer.

Kurz und gut, alles an diesem Mann atmet Macht. In Zahlen beläuft sie sich laut Forbes aktuell auf 105 Milliarden Dollar. So gewaltig ist das Vermögen von Bernard Arnault, Chef der Luxusgruppe LVMH. Damit ist der 70-jährige Franzose nun der zweitreichste Mensch der Erde - weiterhin hinter Amazon-Chef Jeff Bezos, erstmals aber noch vor Microsoft-Gründer Bill Gates. Ein Sonnenkönig des Luxus.

Sein Aufstieg in solch illustre Höhen ist tatsächlich selfmade, dem Vater gehörte eine mittelständische Baufirma, die der Sohn nach einem Ingenieurstudium übernahm und zügig umbaute. Im Investmentgeschäft erwarb er dann den Grundstock seines Vermögens, das ihm 1988 den wichtigsten Deal seines Lebens ermöglichte: Er kaufte einen Anteil von 43,5 Prozent an der Gruppe Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), für 1,1 Milliarden Dollar. Aus heutiger Sicht ein Spottpreis. Dass das Internet die Mode revolutionieren sollte, dass in China Billionen sprudeln würden, dass sich die diskrete Luxusnische anschickte, ein globales Megabusiness zu werden: Das hat in diesem Ausmaß womöglich nicht mal Bernard Arnault geahnt. Aber er registrierte stets, was geschah, und seine Reaktionszeit ist gleich null.

In den Neunzigern kaufte er mit sicherem Instinkt prestigeträchtige Luxusmarken - mehr als 60 sind es heute, mit den Flaggschiffen Louis Vuitton, Dior und Givenchy. Früher als andere erkannte er auch die Kapazität von Parfums und Kosmetik, sein Gespür für den Trend darf als legendär gelten. Als der Feminismus Fahrt aufnahm, machte er Maria Grazia Chiuri zur ersten Frau an der Kreativspitze von Dior. Als die Welt nach mehr Diversität verlangte, holte er den schwarzen Streetwear-Designer Virgil Abloh zu Louis Vuitton und verbündete sich mit der Sängerin Rihanna, die nun Kosmetik und High Fashion unter dem LVMH-Dach vertreibt. Es hat sich mehr als ausgezahlt.

Seit der Übernahme durch Arnault hat sich der Umsatz ver-25-facht auf zuletzt 47 Milliarden Euro im Jahr 2018. Und natürlich hat der Patriarch auch sein Erbe längst geordnet, in dynastischer Manier: Das Königreich bleibt in der Familie. Delphine, seine 44-jährige Tochter aus erster Ehe, ist bereits Vizepräsidentin bei Louis Vuitton und bei öffentlichen Terminen stets an der Seite des Papas, der jüngere Sohn Antoine hält als CEO bei Berluti die Stellung. Es gibt es noch drei Söhne aus Arnaults zweiter Ehe mit der Konzertpianistin Hélène Mercier, auch sie werden ein Stück vom Kuchen abbekommen. Der Patriarch selbst hat dann mehr Zeit für seine zweite große Leidenschaft, die Kunst. Teile seiner imposanten Sammlung sind in der Fondation Louis Vuitton zu besichtigen, ein von Frank O. Gehry gestaltetes Museum, das vor fünf Jahren im Bois de Boulogne eröffnet hat.

Aber noch einmal zurück in die Front Row. Wenn der distinguierte Herr sein Handy zückt und wie alle anderen Gäste Fotos macht, staunend wie ein kleiner Junge, könnte man ihn direkt für einen netten Menschen halten. Aber er ist ein gnadenloser Platzhirsch. Zu besichtigen war das am 16. April, dem Tag, nachdem Notre-Dame gebrannt hatte. François-Henri Pinault, Chef der Kering-Gruppe und sein bitterster Rivale, hatte noch in der Nacht eine Spende von 100 Millionen Euro angekündigt. Nun konnte man die Uhr stellen, und am nächsten Morgen kam Arnaults Antwort: 200 Millionen.

  • Themen in diesem Artikel: