Profil Aviv Kochavi

(Foto: dpa)

Der neue Chef der israelischen Armee ist ein sehr ungewöhnlicher Soldat.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Veganer in der israelischen Armee werden sich freuen: Ihr neuer Boss Aviv Kochavi ist auch einer, sodass künftig mehr auf ihre Bedürfnisse geachtet werden dürfte. Im Vorjahr gab es noch 550 Beschwerden von Veganern über das Essen bei den israelischen Streitkräften.

Aviv Kochavi ist am Dienstag mit allerlei Zeremonien in sein Amt als Generalstabschef eingeführt worden. Premierminister Benjamin Netanjahu heftete ihm seine neuen Schulterklappen an, der Militärrabbiner gab ihm an der Klagemauer seinen Segen, Präsident Reuven Rivlin empfing ihn zum Abendessen, und die Soldaten nahmen ihn mit allen Ehren auf.

Es ist ein schwerer Job, den der 54-Jährige antritt. Als Generalstabschef kann er gezwungen sein, über den Kriegseinsatz einer Armee zu entscheiden, in der 176 000 aktive Soldaten dienen. Krisenherde gibt es zuhauf. Die jüngsten Kriege führte Israel gegen die Hamas im Gazastreifen in den Jahren 2008/09, 2012 und 2014. In den vergangenen Monaten haben die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen wieder zugenommen, die israelische Armee reagierte mit Bombardements. Auch mit Nachbarländern gibt es Spannungen, Krieg gegen Libanon wurde 2006 geführt. Zuletzt verschärfte sich die Konfrontation mit der Hisbollah, nachdem sechs Tunnel, die auf israelisches Gebiet führten, entdeckt worden waren. In Syrien hat Israels Armee iranische Stellungen im Visier. Wie der scheidende Generalstabschef Gadi Eisenkot vor Kurzem verriet, sind in den vergangenen Jahren "Tausende" Ziele angegriffen worden.

Kochavi weiß sehr gut, was ihn erwartet, denn seit Mai 2017 war er Eisenkots Stellvertreter. Er wechselt also nur sein Zimmer im 14. Stock der Kiryat, des Hauptquartiers der israelischen Streitkräfte im Zentrum Tel Avivs. Von dort hat man einen guten Überblick über die Stadt und den Zentralraum Israels.

Dass er einmal an der Spitze der Armee landen würde, hatte sich in seiner Kindheit und Jugend nicht abgezeichnet. Kochavi wuchs in Kiryat Bialik, einer Stadt im Norden, auf, sein Vater führte ein Geschäft, seine Mutter arbeitete als Turnlehrerin. Die Eltern hätten ihm "einen moralischen Kompass mitgegeben", sagte er bei seiner Amtseinführung. In seiner Jugend war Kochavi in der Zionistischen Bewegung der Arbeitspartei aktiv. Seine Lehrerin erzählte nun israelischen Medien, sie habe ihm eine künstlerische Karriere zugetraut, "weil er so schön zeichnen konnte". Diese Fähigkeit ist ihm offenbar erhalten geblieben, seine Kameraden schwärmen davon, wie er Skizzen von Militäroperationen zeichnerisch schmückt.

Aviv Kochavi studierte Philosophie an der Hebrew University in Jerusalem und erwarb zwei Master in den USA: einen nach einem Studium der öffentlichen Verwaltung an der Harvard University, den anderen an der John Hopkins University in internationalen Beziehungen. Seinen Armeedienst begann er als 18-Jähriger bei den Fallschirmjägern, denen er im Laufe seiner Militärkarriere treu blieb. Er wurde Chef des Nordkommandos und war Kommandeur der Gaza-Division im Jahr 2005, als sich Israels Militär nach einer Entscheidung des damaligen Premierministers Ariel Sharon aus dem Küstenstreifen zurückzog. Während der zweiten Intifada entwickelte der Tüftler Kochavi einen fünf Kilo schweren Hammer, mit dem man in Gebäude eindringen kann. Dieses militärische Gerät und die von ihm entwickelte Taktik nutzten später auch die US-Streitkräfte bei ihren Missionen in Afghanistan und im Irak.

An acht Kriegseinsätzen hat der asketisch wirkende Kochavi teilgenommen, er war auch Direktor des Militärgeheimdienstes. Die Armee bezeichnete der verheiratete Vater dreier Töchter als seine "zweite Heimat". Bei seiner Amtseinführung versprach er, es werde "keine unnötigen Kriege" geben. Andererseits betonte er: Das israelische Militär solle seine "tödliche, effiziente und innovative Kraft" behalten.