Profil Ashraf Fayadh

Arabischer Poet, der in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt wurde.

Von Paul-Anton Krüger

Was genau eigentlich sein Verbrechen sein soll, weiß Ashraf Fayadh nicht - nur dass ihn ein Gericht in Saudi-Arabien wegen Abfalls vom Glauben zum Tode verurteilt hat. Das zeigen die Justizdokumente aus dem ultrakonservativen Königreich, die ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einsehen konnte.

Ashraf Fayadh, 35, Lyriker, Autor, Künstler und Kurator mit palästinensischen Wurzeln, war erstmals Ende 2013 in der Stadt Abha im Südwesten Saudi-Arabiens festgenommen worden; nach seiner Darstellung hatte ihn ein anderer Künstler nach einem Streit bei der Religionspolizei angeschwärzt. Er kam zunächst auf Kaution wieder frei, wurde aber Anfang 2014 inhaftiert.

Ein Gericht in Abha hatte ihn dann zunächst zu vier Jahren Haft und 800 Schlägen verurteilt; die Berufungsinstanz hob das Urteil auf und verwies den Fall zurück. Nun befand ein anderer Richter ihn schuldig, vom Glauben abgefallen zu sein - in dem auf einer strikten Auslegung der Scharia fußenden Rechtssystem Saudi-Arabiens heißt das die Todesstrafe. Laut Humans Right Watch begründete der Richter seinen Spruch mit der Aussage eines Zeugen, Fayadh habe Gott, den Propheten Mohammed und Saudi-Arabien beschimpft. Zudem stützte der Richter sich auf einen im Jahr 2008 erschienenen Gedichtband von Ashraf Fayadh, in dem er angeblich Atheismus propagiere; die Übersetzung des Bandes wurde unter dem Titel "Instructions Within" nach Fayadhs Verhaftung veröffentlicht. Freunde glauben, dass ihm ein Video einer öffentlichen Auspeitschung eines Mannes durch die Religionspolizei in Abha zum Verhängnis wurde, das er im Internet gepostet hatte. Fayadh ist eine der bekannteren Figuren der kleinen, aber zunehmend beachteten Künstler-Szene Saudi-Arabiens und gehörte dem Künstler-Kollektiv Edge of Arabia an, 2003 in Abha gegründet, das sich als Plattform für den kulturellen Austausch zwischen der arabischen Welt und dem Westen versteht. Im Jahr 2013 kuratierte er die Ausstellung "Rhizoma (Generation in Waiting)", Saudi-Arabiens Beitrag zur Biennale in Venedig, mit Werken von 26 im Westen weitgehend unbekannten Künstlern.

Fayadh wollte eine Gesellschaft im Wandel zeigen, die Kräfte, die sie formen. Präsentierte er nahe dem Eingang die moderne Interpretation von Kalligrafie, einer traditionellen Kulturtechnik, stieß der Besucher tiefer in den Salzkellern des Zollhauses auf Video-Installationen - Referenz darauf, dass nirgendwo so viel im Internet gesurft wird wie in Saudi-Arabien. Fayadh sagte, die Schau sei getragen von der Idee, dass einerseits das Internet zum Motor der Kommunikation geworden sei, es aber weiter ein tief verwurzeltes religiöses Bewusstsein gebe - Rhizoma ist altgriechisch und wird oft als Wurzelstock übersetzt. Fayadh sagt, er sei weiter ein gläubiger Muslim; er bestreitet die Vorwürfe gegen ihn. Ihm bleiben 30 Tage, um erneut Rechtsmittel einzulegen.