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Präsidentschaftswahl in Polen:Überraschungssieger von rechts

Andrzej Duda

Andrzej Duda, polnischer Überraschungssieger mit teuren Wahlversprechen

(Foto: AP)

Bis vor kurzem war Andrzjei Duda selbst für viele Parteigenossen ein Unbekannter. Jetzt hat er den ersten Wahlgang um das Präsidentamt in Polen für sich entschieden. Doch in der Stichwahl könnte ihm seine Nähe zu Jaroslaw Kaczynski den Sieg kosten.

Es war eine gewaltige Überraschung, als Jarosław Kaczyński, Führer der rechtspopulistischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Ende 2014 seinen Kandidaten für die polnische Präsidentschaftswahl vorstellte - nicht, wie erwartet, sich selbst, sondern den aus Krakau stammenden Andrzej Duda. Der war nicht nur den meisten Polen unbekannt, sondern auch den meisten Parteikollegen. Und so lag Duda in den ersten Umfragen als Präsidentschaftskandidat mit nur zwölf Prozent scheinbar hoffnungslos hinter dem konservativen Amtsinhaber Bronisław Komorowski zurück.

Das hat sich gründlich geändert: Nach einem zumindest optisch geschliffenen Wahlkampf machten die Polen Duda mit gut 34 Prozent der Stimmen zum Überraschungssieger des ersten Wahlgangs.

Der Jurist mit Doktortitel war früher Messdiener und Pfadfinder

Dudas Werdegang ist nun bekannt: 42 Jahre alt, ehemaliger Messdiener und Pfadfinder aus Krakau, Jurist mit Doktortitel der dortigen Universität, verheiratet, eine Tochter. Unter den Kaczyński-Brüdern Lech und Jarosław, die Polens Politik von 2001 an mit der PiS aufrollten, war Duda erst Vizejustizminister, danach bis zum Tod von Präsident Lech Kaczyński Staatssekretär. Seit 2014 sitzt Duda, von wenigen bemerkt, im Europäischen Parlament.

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"Der Wandel in Polen fängt mit dem Wandel im Präsidentenamt an": Der nationalkonservative Kandidat Duda bekommt im ersten Wahldurchgang mehr Stimmen als Amtsinhaber Komorowski. Sein Lager jubelt, in zwei Wochen entscheidet die Stichwahl.

Im Wahlkampf positionierte sich Duda für die Nato und gegen künstliche Befruchtung - ein Thema, mit dem er vor allem bei gläubigen Katholiken punktete. Duda versprach zudem, als Präsident das Kindergeld und den Steuerfreibetrag für Familien zu erhöhen und das erst vor wenigen Jahren erhöhte Rentenalter wieder zu senken. Wie er das bezahlen will, sagte Duda nicht, was indes viele Wähler offenbar nicht störte. Er trat gewandt auf und scheute, anders als Komorowski, nicht vor Fernsehdebatten mit der Konkurrenz zurück.

Ob Duda auch in der Stichwahl siegen und Präsident werden kann, hängt weniger von ihm selbst ab als eher davon, für wen sich die 20 Prozent der Wähler entscheiden, die am Sonntag dem ehemaligen Punkrocker und Protestkandidaten Paweł Kukiz ihre Stimme gaben. Kukiz verkündete bereits, er werde seine Wähler nicht bitten, für Komorowski zu stimmen, den Vertreter des Establishments schlechthin.

Bei der Stichwahl dürfte die Wahlbeteiligung steigen

Andererseits: Weil vor der Wahl alle Prognosen Amtsinhaber Komorowski einen komfortablen Vorsprung voraussagten, blieben viele mögliche seiner Wähler zu Hause; die Wahlbeteiligung erreichte nicht einmal 50 Prozent. Das dürfte am 24. Mai anders sein. Viele Polen schreckt die Vorstellung eines neuen PiS-Präsidenten.

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Denn die Präsidentschaft von Lech Kaczyński war alles andere als ein Erfolg; Polen war durch die Konfrontation zwischen dem Präsidenten und der damals von Donald Tusk geführten Regierung gelähmt. Bruder Jarosław ist nicht minder konfrontativ - und Andrzej Duda gilt bisher als Mann von Jarosławs Gnaden. Das kann er vielleicht noch ändern: In wenigen Tagen trifft Duda im Fernsehen doch noch in einem Zweierduell auf Präsident Komorowski.