Profil Alicia Vikander

Schwedische Schauspielerin mit falscher Haarfarbe, aber enormem Talent.

Von David Steinitz

Bei den Casting-Chefs herrschte pure Fassungslosigkeit: Da kommt eine junge schwedische Schauspielerin, will unbedingt Karriere beim Film machen - und hat weder hellblonde Haare noch blaue Augen. Und das bei einer Schwedin! "Das ist wohl die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird", sagt die brünette und braunäugige Alicia Vikander: "Ob meine Eltern und ich wirklich aus Schweden kommen."

Trotz dieser phänotypischen Unverschämtheit ist Vikander in diesem Jahr gleich für zwei der begehrten Golden-Globe-Filmpreise nominiert, die wichtigsten nach den Oscars, die an diesem Sonntag verliehen werden: als beste Hauptdarstellerin im Transgender-Drama "The Danish Girl", das in dieser Woche in den deutschen Kinos gestartet ist, sowie als beste Nebendarstellerin im Erotikthriller "Ex Machina".

Während sich bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen die Karrierestrategie oft um die Variation des immer gleichen Rollentypus' dreht, zeigen gerade diese beiden Filme, dass Vikander auch vollkommen unterschiedliche Charaktere perfekt im Griff hat. In "The Danish Girl" spielt sie die Ehefrau eines Malers, der sich als Frau im Körper eines Mannes gefangen fühlt. Sie macht daraus einen wirklich herzzerreißenden Emotionscocktail zwischen devoter Hingabe an ihren leidenden Partner und den eigenen unterdrückten Sehnsüchten nach einem selbstbestimmten, glücklichen Leben in dieser vertrackten Partnerschaft. Noch besser ist ihr Auftritt in "Ex Machina", und zwar als Robotermädchen Ava, die von einem verrückten Technik-Tycoon für ein erotisches Experiment kreiert wurde: Wird sich ein Mann in sie verlieben können, obwohl er weiß, dass sie eine künstliche Intelligenz ist? Vikander spielt diese Rolle als Femme fatale 2.0 ganz famos ironisch-gefährlich, und am Ende hat sie die gierigen Männer dieses Films mit deren eigenen Gelüsten ausgetrickst.

Der Weg von ihrer Geburtsstadt Göteborg nach Hollywood und zur Golden-Globe-Verleihung begann für die 27-Jährige aber nicht beim Film, sondern an der Ballettschule. Von 2004 bis 2007 studierte sie an der Kungliga Svenska Balettskolan, der königlichen schwedischen Ballettschule in Stockholm. Das brachte ihr ein paar kleinere und größere Jobs an der Oper und in Musicals ein. Und weil eine Karriere im schwedischen Showgeschäft kaum möglich ist, ohne irgendwie mit der Überband Abba in Kontakt zu kommen, war Vikander auch in einem Musical des Abba-Mitglieds und begnadeten Songschreibers Benny Andersson zu sehen. Nach diversen Fuß- und Rückenverletzungen und den deshalb notwendigen Operationen entschloss sie sich aber, das Tanzen sein zu lassen und es lieber mit der Schauspielerei zu probieren.

Das entpuppte sich in der Praxis allerdings als gar nicht so leicht - auch die heute so erfolgreiche Alicia Vikander musste zunächst einen riesigen Casting-Marathon absolvieren. Die erste Rolle, mit der sie dann international auf sich aufmerksam machte, war nicht in einem schwedischen Film, sondern in einem dänischen: An der Seite von Mads Mikkelsen war sie 2012 im hübschen Historienmelodram "Die Königin und der Leibarzt" zu sehen. Es folgte ein weiterer schöner Kostümfilm, die britische Neuverfilmung von "Anna Karenina", wo sie neben Keira Knightley ein frivoles russisches Oberschichtsmädchen spielte.

Nach diesem Film begannen auch die großen Agenturen in Hollywood, neugierig zu werden. Und der legendäre amerikanische Produzent Harvey Weinstein, der schon diverse Stars entdeckt hat, ließ extra das Drehbuch zur Koch-Tragikomödie "Im Rausch der Sterne" umschreiben, damit für Vikander eine Rolle neben Hauptdarsteller Bradley Cooper frei wurde. Dieses Mädchen, polterte Weinstein bei den Filmfestspielen von Cannes in diesem Jahr, habe noch eine sehr große Karriere vor sich.