Profil:Alexej Djumin

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TULA, RUSSIA. FEBRUARY 4, 2016. Tula Region Acting Governor Alexei Dyumin looks on at a ceremony to

Alexej Djumin, Putin-Vertrauter und Aufsteiger, über dessen Zukunft spekuliert wird.

(Foto: imago)

Der russische Aufsteiger gilt als ein möglicher Putin-Nachfolger.

Von Julian Hans

In den vergangenen Wochen ist seine Karriere recht turbulent verlaufen: Erst Ende Dezember war Alexej Djumin zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt worden. Kaum einen Monat verbrachte er auf diesem Posten, da fand Präsident Wladimir Putin schon wieder eine neue Aufgabe für ihn. Seit dem 2. Februar steht der 43-Jährige an der Spitze des Gebiets Tula, 180 Kilometer südlich von Moskau gelegen. Den Gouverneurstitel trägt er zunächst nur geschäftsführend - bis zu den Wahlen Mitte September.

Derweil wird in Moskau darüber gerätselt, was der ungewöhnliche Karriere-Schritt dieses bisher kaum bekannten Mannes bedeutet. Einige Spekulationen gehen so weit, dass hier ein Nachfolger für den Präsidenten aufgebaut werde. Djumins Laufbahn war von Beginn an eng mit Putin verbunden, wenngleich er bislang im Hintergrund blieb. Nach dem Abschluss einer Offiziersschule begann er 1995 seinen Dienst im präsidialen Sicherheitsdienst FSO. Als der damalige Präsident Boris Jelzin im August 1999 Putin zum Premier machte, war Djumin vom ersten Tag an für dessen Sicherheit zuständig. Er begleitete ihn seitdem auf Reisen durch Russland und um die Welt.

2014 wurde Djumin Vize-Chef des Militärgeheimdienstes GRU und Leiter einer geheimen Spezialtruppe, die unter anderem die Annexion der Krim umsetzte. Dafür zeichnete Putin den Generalleutnant mit dem Titel "Held Russlands" aus. Als Torwart in der "Nächtlichen Hockeyliga", in der Putins Vertraute sich auf dem Eis treffen, lässt er, wenn nötig, auch mal einen Puck des Präsidenten durch. Mit einer Doktorarbeit über die Rolle der G8 hat Djumin außerdem früh gezeigt, dass sein Interesse über die nationale Politik hinausgeht.

Eineinhalb Zeitungsseiten füllte der seriöse Kommersant am Dienstag mit einem Djumin-Interview. Selten bekommt ein Gouverneur so viel Aufmerksamkeit. Um Tula drehten sich allerdings nur drei, vier Fragen. Das Interesse galt vor allem der Person. Djumin erzählte von seinen Erlebnissen mit dem Präsidenten. Wie Putin damals in Tschetschenien einmal in den falschen Hubschrauber stieg und so wie durch ein Wunder einem Absturz entkam.

Wie er, Djumin, einen Bären mit einigen Warnschüssen vom Eingang einer Berghütte vertrieb, während der Präsident ruhig in seinem Bett schlief und nichts mitbekam.

Ein Interview als erzählte Biografie mit unterhaltsamen Anekdoten. Der Kommersant-Autor Andrej Kolesnikow hat Erfahrung mit dem Genre: Gemeinsam mit zwei Kolleginnen veröffentlichte er 2000 das Buch "Aus Erster Hand", in dem ein damals noch wenig bekannter Wladimir Putin aus seinem Leben erzählte. Ob er glaube, er werde sich fünf Jahre auf dem Posten des Gouverneurs halten, fragte Kolesnikow zum Ende des Gesprächs mit Djumin. Er wisse doch, welche Gerüchte umgingen. Der wiegelte ab: "Egal, was ich dazu sage, das gießt doch nur Öl in ein Feuer, das es in Wahrheit gar nicht gibt".

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