Profil:Alejandro Giammattei

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Im vierten Anlauf wird der Chirurg Präsident Guatemalas.

Von Benedikt Peters

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(Foto: dpa)

Alejandro Giammattei wirkte sehr glücklich, als das Ergebnis endlich feststand. "Der Moment Gottes ist gekommen", sagte der künftige Präsident Guatemalas, und auch wenn viele seiner Landsleute das anders sehen mögen, aus persönlicher Sicht kann man Giammatteis Gefühlsausbruch durchaus nachvollziehen. Der 63-Jährige dürfte es selbst lange für unmöglich gehalten haben, dass er doch noch einmal eine Wahl gewinnt.

Fünf Mal war Giammattei zuvor gescheitert, zwei Mal bei den Wahlen für das Amt des Bürgermeisters von Guatemala-Stadt, drei Mal bei Präsidentschaftswahlen. Seiner Karriere hat das kaum geschadet. Der Chirurg hat sich seit den Achtzigerjahren beharrlich den Weg nach oben gebahnt. Er bekleidete hochrangige Posten in der öffentlichen Verwaltung, war Direktor der Wasserversorgung von Guatemala-Stadt und des öffentlichen Nahverkehrs. Von 2005 bis 2007 war er Chef der landesweiten Gefängnisverwaltung, und in diese Zeit fällt das wohl dunkelste Kapitel seines Lebens. Es dürfte auch seine Präsidentschaft prägen.

Am 25. September 2006 stürmten etwa 3000 Polizisten und Soldaten das Gefängnis Granja Penal de Pavón nahe der guatemaltekischen Hauptstadt; offiziell, um die Ordnung wiederherzustellen. Die Häftlinge hatten sich es dort Berichten zufolge recht gemütlich gemacht, sie sollen etwa Videospiele gespielt und Drogenküchen betrieben haben. Sieben Insassen wurden bei dem Einsatz getötet. Eine Untersuchung der Regierung und der UN-Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (Cicig) enthüllte später, dass die Häftlinge regelrecht hingerichtet wurden, Behördenchef Giammattei soll davon gewusst haben. Fast ein Jahr musste er in Untersuchungshaft, 2010 wurde er freigesprochen, aus Mangel an Beweisen.

Nun wirkt es so, als habe Guatemalas künftiger Präsident noch eine Rechnung mit der Cicig offen, die ihn damals hinter Gitter brachte. Im Wahlkampf kündigte er an, dass er den Beschluss seines Vorgängers Jimmy Morales unterstütze, die Kommission der Vereinten Nationen aus dem Land zu werfen. Zuvor hatte die Cicig immer wieder Korruptionsfälle aufgedeckt, auch im Umfeld des nun scheidenden Staatschefs Morales. Das wurde ihr letztlich wohl zum Verhängnis.

Dass Giammattei die Wahl vom Sonntag mit etwa 58 Prozent der Stimmen gewann, hat weniger damit zu tun, dass ihm viele Guatemalteken gerne die Geschicke des Landes anvertrauen. Sondern damit, dass sie die andere Kandidatin aus der Stichwahl verhindern wollten. Die ehemalige Präsidentengattin Sandra Torres ist schlichtweg noch unbeliebter. Andere Kandidaten, die mehr Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Korruption gehabt hätten, waren nicht zur Wahl zugelassen worden. Das erklärt die niedrige Wahlbeteiligung von gerade einmal 42 Prozent.

Viele Guatemalteken wünschen sich nichts sehnlicher, als dass die Regierung endlich konsequent gegen die Vetternwirtschaft vorgeht sowie Armut und Gewalt bekämpft, die Dinge also, die so viele dazu bewegen, das Land zu verlassen. Giammattei hat versprochen, all das zu tun. Überzeugende Konzepte aber hat er im Wahlkampf nicht präsentiert. Gegen die Gewaltkriminalität soll eine Politik der harten Hand helfen, er will einen Nationalen Sicherheitsrat einberufen und die Todesstrafe wiedereinführen. Dass solche Vorgehensweisen in anderen lateinamerikanischen Ländern eher zu einem Anstieg der Gewalt geführt haben, ficht ihn offenbar nicht an. In wirtschaftlicher Hinsicht gilt Giammattei als liberal, gesellschaftlich vertritt er konservative Positionen. Die gleichgeschlechtliche Ehe etwa lehnt er ebenso vehement ab wie Abtreibungen.

Am Wahlabend versprach der neue Präsident dann noch, er werde sich seinem Land als treuer Diener zur Verfügung stellen. Nach so vielen Jahren und all den Versuchen habe er einen "Kloß im Hals". Das immerhin dürften viele Guatemalteken ähnlich empfinden.

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