Prism-Geheimdienstaffäre Chartermaschine soll Snowden nach Island ausfliegen

Die Geschichte um den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden wird hollywoodreif: Ein Wikileaks-Förderer stellt einen Privatjet zur Verfügung, um den Prism-Whistleblower nach Island auszufliegen. Sobald Islands Regierung politisches Asyl zusichert, soll der Flieger starten.

Edward Snowden machte die Internet-Überwachung des US-Geheimdienstes NSA öffentlich und löste damit den Skandal um das Spähprogramm Prism aus. Nun steht nach Angaben aus Wikileaks-Kreisen ein Charterjet bereit, um den nach Hongkong geflohenen Whistleblower nach Island auszufliegen.

"Alles auf unserer Seite ist bereit, das Flugzeug könnte morgen abheben", sagte der Geschäftsmann Ólafur Vignir Sigurvinsson, der mit der Enthüllungsplattform Wikileaks in Verbindung steht, dem isländischen Sender Kanal 2. "Wir haben getan, was wir können. Wir haben ein Flugzeug und die gesamte Logistik. Jetzt warten wir nur auf die Antwort der (isländischen) Regierung."

Sigurvinsson ist Chef von Datacell, einer Partnerfirma von Wikileaks, die Spenden für die Enthüllungsplattform verwaltet. Das Flugzeug, das Snowden aus Hongkong ausfliegen soll, gehört laut Sigurvinsson einer chinesischen Firma und wurde mithilfe von Spenden für mehr als 240.000 Dollar (etwa 181.000 Euro) gechartert.

Laut Sigurvinsson wird Snowden wahrscheinlich nur dann nach Island ausreisen, wenn ihm die Regierung bereits im Vorab die Gewährung politischen Asyls zusichert. "Es wäre dumm herzukommen, um dann in die USA ausgeliefert zu werden", sagte der Datacell-Chef. "In dem Fall wäre es besser, er bliebe, wo er ist."

Internet-Überwachung Grenzenlos informiert
Überwachungsaktivitäten der US-Geheimdienste

Grenzenlos informiert

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Snowden, der am heutigen Freitag 30 Jahre alt wurde, hatte im Mai das geheime Spähprogramm Prism des US-Geheimdienstes NSA enthüllt, mit dem das Internet und der Telefonverkehr umfassend überwacht werden. Der Computerexperte floh anschließend nach Hongkong. Da Island für die Freiheit des Internets eintritt, nannte er das Land als möglichen Asylort.

Die Regierung in Reykjavik bestätigte bereits am Mittwoch, sie habe informelle Kontakte zu Snowden. Es ist bisher jedoch nicht sicher, dass die isländische Mitte-rechts-Regierung dem Whistleblower Zuflucht gewähren will.