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Prinz Charles in Deutschland:Der grüne Prinz

Prinz Charles und Camilla besuchen Berlin, er erhält einen Öko-Preis. Seinen Landsleuten geht er mit grünen Ideen auf die Nerven.

T. Denkler, Berlin

Sollte der ewige Prinz Charles in diesem Jahrtausend doch noch mal den britischen Thron besteigen, wäre er wohl der erste Bio-Bauer der Welt, der es zu königlichen Würden bringt. Charles ist so grün, dass er manch einheimischen Politiker gleicher Farbe glatt das Fürchten lehren kann.

Prinz Charles mit Bundespräsident Horst Köhler.

(Foto: Foto: dpa)

Als Prinz hat er Freiheiten, die er als König nicht hätte. Er kann sich etwa eine politische Meinung leisten. Und so ist er seit gut 40 Jahren selbsternannter Botschafter in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Prinz Charles gehört zu jenen, die vorleben, was sie predigen, was ihn nicht zu einem Müsli essenden Strickpulliträger gemacht hat. Im Gegenteil: Er gilt manchen als der am besten angezogene Mann der Welt.

Mangels eigener Krone hat er sich vor gut 30 Jahren in Highgrove, seinem Landsitz in Gloucestershire, sein eigenes kleines Öko-Reich geschaffen, das heute immerhin rund 140 Mitarbeiter zählt und durchaus profitabel sein soll. Geheizt wird mit Holzspänen, angebaut wird nach dem Mondkalender. Von hier aus vertreibt er Bio-Marmeladen, Bio-Kekse und Bio-Schinken unter dem inzwischen landesweit bekannten Label "Duchy Original".

Nicht, dass er dort dauerhaft wohnen würde, dafür hat Charles mit weit über 550 Terminen und Auftritten pro Jahr wohl doch zu viel zu tun. Aber, bekennt er, wenn es darum gehe, den umfangreichen Heckenbestand seines Anwesens zu pflegen, dann sei er gerne dabei.

Er hat dort 2001 Renate Künast empfangen, damals frischgebackene und erste grüne Landwirtschaftsministerin der Bundesrepublik. Anlässlich von Charles' Besuch in Deutschland erinnert sich die Politikerin an das Treffen in Highgrove. Bei einer Tasse Tee aus einer silbernen Kanne debattierten sie ausgiebig über die Anforderungen an eine neue, ökologisch orientierte Landwirtschaft in Europa.

Später zeigte er der deutschen Ministerin - trotz des ortsüblichen Nieselregens - noch den Küchengarten des Anwesens. "Der Prinz holte einen Schirm, und ich besuchte einen der wunderschönsten Gärten, die ich je gesehen hatte", berichtet Künast. "Fast ehrfurchtsvoll liefen wir danach durch einen kleinen Buchenwald, und ich lernte, dass der Prinz Buchen sammelt. Ein Wald aus lauter verschiedenen Buchen aus ganz Europa, quasi eine Arche Noah. Ich war sehr beeindruckt. Das ist der berühmteste Botschafter für die Idee, in der Landwirtschaft den Kreislauf der Natur zu achten und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten." Eine Idylle, fast in dem Roman "Ein Garten im Norden" von Michael Kleeberg.

Charles würde aber wohl etwas zu kurz springen, wenn er seine persönliche Nachhaltigkeitsstrategie allein auf die Feld-, Wald- und Wiesenpolitik vor seiner Haustür beschränkte. Charles denkt in globalen Maßstäben.

In seinem Londoner Amtssitz am St. James's Palace koordinieren er und seine Mitarbeiter gut 20 nationale und international angelegte Wohltätigkeitsorganisationen. Die Stiftung Prince's Trust etwa gibt jungen Menschen ohne Schulabschluss eine zweite Chance. In Afghanistan lässt er Menschen alte Handwerkstechniken lernen. Von London aus wird der Regenwald gerettet, Bildung organisiert oder werden Klimaschutzprojekte vorangetrieben.

Für sein Engagement wird Charles an diesem Mittwoch in Berlin den Nachhaltigkeitspreis 2008 bekommen und anschließend eine Grundsatzrede zum Thema Ökologie halten.

Ein besonderes Augenmerk hat der Prinz auf die britische Architektur geworfen, nicht gerade zum Wohlgefallen einiger seiner Landsleute. Anfang der achtziger Jahre bereits hatte er einen geplanten Neubau am Trafalgar Square in London bei einem Gala-Diner der Architektenkammer als einen "Karbunkel", also eine Eiterbeule, "im Gesicht eines lieben Freundes" bezeichnet, was die Anwesenden nicht gerade erfreut haben soll.

Aus dem Streit erwuchs Charles' Idee, ein Wohn- und Arbeitsviertel nach seinen Vorstellungen zu schaffen. Seit 1989 wird diese Vision Realität: Am Rand von Dorchester lässt er die Siedlung Poundbury errichten. Um einen zentralen Platz herum gruppieren sich Wohn-, Geschäftshäuser und kleine Fabriken. Menschen aus allen sozialen Schichten sollen hier wohnen. Fabrikbesitzer und Arbeiter können quasi Hand in Hand zur Arbeit gehen.

Im Grunde fehlt noch, dass er selbst dort eines Tages einzieht. Zuzutrauen wäre es ihm. Oder er wird doch noch König werden - und wohnt in Buckingham Palace.

© sueddeutsche.de/bica
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