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Presseschau:"Er musste nicht mal ankommen, um die G 7 zu destabilisieren"

Group of Seven (G7) Leaders Summit

Blick Richtung Trump: Kanzlerin Merkel, Kanadas Premier Trudeau und Frankreichs Präsident Macron (v.l.) beim Fototermin in La Melbaie.

(Foto: Bloomberg)

Internationale Beobachter bedauern eine Spaltung zwischen Amerika und dem Rest und geben Donald Trump die Schuld. Die englische Zeitung "Times" fordert, den US-Präsidenten nicht zu dämonisieren.

Donald Trump hat es geschafft, die Aufmerksamkeit beim G-7-Gipfel fast vollständig auf sich zu lenken. Keine Betrachtung des ersten Tages im kanadischen Ferienort La Malbaie kommt ohne den amerikanischen Präsidenten aus und seinem Verhältnis zu dem Rest der Teilnehmer. Der italienische Corriere della Sera formuliert es verzweifelnd bis genervt: "Der Protagonist des ersten Tages ist, wieder einmal, Donald Trump."

Um im Mittelpunkt zu stehen, hätte Trump eigentlich keinen besonderen Kniff benötigt. Doch er wollte wohl ganz sicher gehen. Und so warf er noch vor der Abreise nach Kanada einen weiteren Unruhefaktor in die Runde mit der Forderung, Russland wieder in den Kreis der Verhandler aufzunehmen. Die Russen waren 2014 nach der Annexion der Krim aus dem Kreis der damaligen G 8 geflogen, wodurch man sich nun wieder zu siebt trifft (plus EU-Ratspräsident und EU-Kommissionspräsident). Die New York Times meint: "Es war der Russland-Vorschlag des Präsidenten - der offenbar aus dem Nichts kam - der die Feindseligkeiten verschärfen und eine Spaltung zwischen Trump und den sechs anderen schaffen dürfte."

Noch einmal der Corriere della Sera dazu: "Er musste nicht mal in Kanada ankommen, um die G 7 zu destabilisieren." Den Russland-Vorstoß hätten "die Chefs der anderen Länder als Provokation verstanden".

Für die internationalen Beobachter des Gipfels verfestigt sich damit der Eindruck, dass Trump mit aller Macht den Außenseiter im dem Kreis der traditionellen Industriestaaten geben will. Die konservative französische Zeitung Le Figaro schreibt: "Donald Trump scheint entschlossen zu sein, seine Rolle als Spielverderber zu festigen." Die Zeitung De Volkskrant aus Amsterdam führt aus: "US-Präsident Donald Trump glaubt nicht an Multilateralismus, hält wenig von Menschenrechten und investiert nicht in das Verhältnis zu den Bündnispartnern. Das gesamte System von Regeln und Partnerschaften der westlichen Ordnung wird nun von innen heraus in schnellem Tempo ausgehöhlt."

Die Hoffnung, das Treffen könnte mit einer grundlegend besseren Stimmung enden, sind gering. Zu destruktiv wirkt das Auftreten Trumps. Und trotz öffentlich versöhnlicher Auftritte haben sich die Anführer der anderen Staaten dazu entschlossen, dem US-Präsidenten in der Sache konfrontativ entgegenzutreten. Die belgische Zeitung De Standaard glaubt deshalb: "Wichtige Beschlüsse dürfte es daher kaum geben. Ebenso gering ist die Chance, dass die Gipfelteilnehmer einander näher kommen. Die Frage ist vor allem, wie stark auf den Tisch geschlagen wird, um den unterschiedlichen Meinungen Gehör zu verschaffen."

Zu den wenigen Stimmen, die weiterhin eine Vermittlung zwischen Amerika und den sechs anderen Staaten fordern, gehört die Londoner Times. Sie schreibt, dass die Verbündeten in der Verantwortung stünden, Brücken zu bauen. "Der Präsident lehnt die alte Weltordnung ab, ohne eine klare Vision für eine neue zu haben. Zu Recht verlangen die anderen Gäste (des G-7-Gipfels) in Kanada von ihm einen Sinn für Führung und mehr Aufmerksamkeit für eine Welt im Umbruch. Seine Effekthascherei wird, wenn man sie falsch handhabt, seinem eigenen Land eher schaden als nutzen. Dies sind gefährliche Zeiten, aber sie werden nicht dadurch sicherer, dass man den Führer der freien Welt dämonisiert."

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