Süddeutsche Zeitung

Pressekonferenz in Dresden:Pegida will weiter demonstrieren

  • Nach Anschlagsdrohungen und dem anschließenden Demonstrationsverbot in Dresden haben die Organisatoren der Pegida-Bewegung angekündigt, ihre Protestmärsche fortsetzen zu wollen.
  • Die bisherigen Montagsdemonstrationen seien allerdings nicht für unbegrenzte Dauer geplant.
  • Vertreter der Organisation wollen einen Dialog mit der Politik.

Von Dorothea Grass

Trotz Anschlagsdrohung: Pegida will weitermachen

Die islamkritische Bewegung Pegida will trotz der Demonstrationsabsage für heute mit ihren montäglichen "Abendspaziergängen" weitermachen. Die Absage für heute bedeute nicht, "dass wir uns mundtot machen lassen", sagte Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Die nächste Veranstaltung sei für kommenden Montag geplant, so Bachmann und Mitorganisatorin Kathrin Oertel.

Zeitlich begrenzte Dauer der Demonstrationsmärsche

Für die Veranstaltung in der kommenden Woche werde momentan an einem Sicherheitskonzept gearbeitet. Details wollte Organisator Bachmann nicht nennen. Man plane darüber hinaus, so Pressesprecherin Oertel, eine zeitliche Begrenzung der Pegida-Demonstrationen. In einem Jahr wolle man nicht mehr "jeden Montag durch Dresden ziehen", schließlich hätten die Veranstalter auch Berufe, denen sie nachkommen müssten.

Pegida-Chef Lutz Bachmann bestätigte die Anschlagsdrohung, die zum allgemeinen Demonstrationsverbot für den heutigen Montag in Dresden geführt hatte. Die Drohung sei nicht nur gegen ihn gerichtet gewesen, sondern gelte auch der gesamten Bewegung.

Islamkritiker signalisieren Dialogbereitschaft

Nach Monaten einer strikt ablehnenden Haltung gegenüber Medien in Deutschland signalisiert Pegida nun Gesprächsbereitschaft. Auf ihrer ersten Pressekonferenz, die auf Vermittlung durch die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung zustande kam, verbaten sich die Organisatoren der islamkritischen Bewegung Fragen zu persönlichen Hintergründen. Man wolle sich ausschließlich zu den inhaltlichen Fragen äußern.

Sprecherin Oertel kündigte Gesprächstermine mit politischen Vertretern für die kommenden Wochen an. Mit der Presse werde es allerdings "keine Einzelinterviews" geben. Der Schritt an die Öffentlichkeit sollte als "Anfang für jedweglichen Dialog" verstanden werden.

"Können nicht mit der Bezeichnung Islamhasser leben"

Die Frage nach der Motivation, nach Wochen der Gesprächsverweigerung nun auf die Presse zuzugehen, begründete Sprecherin Oertel mit einem "Schritt in Richtung Objektivität". Die Bewegung sei "von Vorneherein abgewertet und diffamiert" worden, sagte sie. "Wir können nicht mit der Bezeichnung Islamhasser leben."

Radikale und fremdenfeindliche Äußerungen sind nach Aussage des Pegida-Gründers Bachmann in der Bewegung "in der Unterzahl". Die Bewegung distanziere sich davon.

Protestforscher prognostiziert: Zenit überschritten

Nach Einschätzung des deutschen Soziologen und Protestforschers Dieter Rucht wird die Bewegung zunehmend an Bedeutung verlieren. Rucht, der gemeinsam mit Kollegen das Phänomen Pegida untersucht hat, sagt: "Wir haben den Höhepunkt von Pegida gesehen und er ist vielleicht schon überschritten." Es handle sich bei dem Verein um eine "schnell aufsteigende und ich vermute auch schnell wieder sinkende Bewegung". Ob die Absage der Demonstration an diesem Montag wegen Terrordrohungen diesen Prozess beschleunige oder bremse, sei dem Forscher zufolge unklar.

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