bedeckt München 31°

Pressekonferenz im Weißen Haus:Perfekte Inszenierung - von der ersten bis zur letzten Frage

Bei seinem finalen offiziellen Auftritt betont der scheidende US-Präsident Obama die Bedeutung kritischer Journalisten. Das ist wichtig zu Beginn des Trump-Zeitalters - und zugleich nicht ganz glaubwürdig.

In Sachen Inszenierung ist das Team Obama kaum zu schlagen. Der scheidende US-Präsident gibt seine letzte Pressekonferenz und die Fragen stellen vor allem Journalisten, die das bunte Amerika repräsentieren. April Ryan vom Schwarzensender American Urban Radio Networks fragt nach den Schikanen, denen viele Wähler ausgesetzt sind. Obamas Antwort: "Wir sollten es den Bürgern leichter machen, ihre Stimme abzugeben - nicht schwerer."

Der Vertreterin des Latino-Senders Univision liegt das Schicksal der "Dreamer" am Herzen: Was wird der Demokrat tun, wenn Präsident Donald Trump diese jungen Erwachsenen, die von ihren Eltern als Kinder illegal in die USA gebracht wurden, abschieben lässt? Obama sagt: "Diese Kids haben nichts Falsches gemacht. Ich würde mich laut zu Wort melden, wenn das geschieht." Dem Reporter der Homosexuellenzeitung Washington Blade erklärt der 55-Jährige, dass er auf nichts stolzer sei als auf den Wandel der US-Gesellschaft und die wachsende Akzeptanz der Homo-Ehe.

Als Zeichen der Überparteilichkeit ruft Obama auch einen Korrespondenten des konservativen Senders Fox News auf, doch die erste Frage darf Jeff Mason von Reuters stellen. Dies ist eine höfliche Geste, denn Mason ist Chef der White House Correspondents Association, also der Interessenvertretung jener Journalisten, die über den US-Präsidenten berichten. Für sie hat Obama nur lobende Worte: Amerika und die Demokratie bräuchten eine freie Presse und gute Journalisten seien nun mal "keine Schmeichler, sondern Skeptiker".

"Unsere Arbeit wird dadurch besser, dass Sie einen Platz in diesem Gebäude haben", schwärmt Obama sogar und stellt sich damit auf die Seite der Journalisten - und gegen seinen Nachfolger Trump. Es gehört zum Hobby des künftigen Präsidenten, Reporter zu beschimpfen ( zuletzt einen CNN-Mann während einer Pressekonferenz) und Trumps Pressesprecher dachte laut darüber nach, die Reporter des White House Press Corps in einem anderen Gebäude unterzubringen - und nicht länger in Gehweite zu den Büros der Regierungsmitarbeiter ( eine hundertjährige Tradition).

Trump könnte Zugang zu Pressekonferenzen begrenzen

Stunden vorher hatte Bald-Präsident Trump auf Fox News zwar erklärt, dass die täglichen Pressekonferenzen weiter im Brady Room stattfinden würden. Er deutete aber an, dass angesichts der hohen Nachfrage nicht für alle Platz sei. Könnten ganz zufällig Trump-kritische Medien wie CNN oder NBC die Opfer der fehlenden Sitzplätze sein?

Trump erklärt in diversen Interviews ( zuletzt mit der Bild-Zeitung), dass er nur deswegen so viel twittere, weil die Medien "unehrlich" über ihn berichten würden. Diverse große US-Medienunternehmen investieren derweil viel Geld, um kritisch über die Trump-Regierung zu berichten.

In diesem Umfeld und in einer Zeit, in der alle über Fake News sprechen und klagen (ein Konsens, was das ist, fehlt bisher), gibt sich Barack Obama nun als Beschützer und Freund der Presse. "Ich habe sehr gern mit allen von euch zusammengearbeitet, auch wenn mir nicht jeder Bericht gefallen hat", sagt er. Doch, so fährt er locker fort, die Mächtigen müssten eben kontrolliert werden.