bedeckt München 14°

Presse-Bann im Weißen Haus:Trump ist auf gefährliche Weise hilflos

Indem er kritische Journalisten aussperrt, will Donald Trump zeigen, wie mächtig er ist. Der US-Präsident agiert auf Kindergartenniveau - das muss alarmieren.

Kommentar von Oliver Das Gupta

Ein neuer Tag, ein neuer Kracher von Donald Trump. Der US-Präsident hatte kritische Medien zu Feinden erklärt, nun lässt das Weiße Haus Taten folgen. Journalisten von CNN, New York Times und anderen renommierten Medien wurden von einer Presserunde ausgeschlossen.

Als Unternehmer und Entertainer hat Trump gerne Leute gefeuert - nun "feuert" er Korrespondenten aus dem Weißen Haus. Der Präsident will damit seine Macht demonstrieren, in Wirklichkeit demonstriert er Machtlosigkeit. Der nominell mächtigste Politiker der Welt agiert unsouverän, auf Kindergartenniveau.

Die Logik, der der Präsident und seine Leute folgen, erinnert an kleine Jungs beim Fußballspielen. Little Donald lässt diejenigen nicht mehr mitbolzen, die seine Fouls kritisieren. Es ist eine simple, eine naive Denke. Denn so wie die ausgeschlossenen Kicker vom Spielfeldrand aus lautstark Regelverstöße anprangern, so wird auch die Kritik der verbannten Presse nicht verstummen.

Überraschend ist das Aussperren von Journalisten nicht. Bei Trump dominiert kurzfristiges Denken. Harte Entscheidungen, harte Angriffe, demonstratives Durchsetzen - und das so schnell wie möglich. So hat Trump als Geschäftsmann gehandelt, so will er auch als Präsident regieren.

Trump hat einfache Lösungen für komplexe Probleme versprochen: Illegale Einwanderung mittels einer Mauer zu stoppen, ökonomische Miseren im Alleingang zu lösen und sogar den Nahost-Konflikt zu beenden. Im Wahlkampf hat er unter anderem behauptet, einen "geheimen Plan" zu haben, die IS-Terrormiliz binnen 30 Tagen zu besiegen. Donald Trump ist berauscht von seiner Überzeugung, alles zu können, das suggeriert er auch immer wieder seinen Anhängern.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Trumps Präsidentschaft verläuft bislang katastrophal. Sein Sicherheitsberater hat nach ein paar Tagen gehen müssen, sein Einreiseverbot für Bürger sieben muslimischer Länder ist gekippt. Dazu kommen zahlreiche Regelverstöße, Peinlichkeiten und Unwahrheiten, wie dem von Trump behaupteten Vorfall in Schweden, den es nicht gab. Das Weiße Haus bat das FBI, Presseberichte zu Russland-Verstrickungen des Trump-Teams zu dementieren. Doch der Geheimdienst sträubte sich, stattdessen wird die versuchte Beeinflussung publik. Und nun der Ausschluss von Journalisten, ein Novum in der US-Geschichte.

Über Trump kann man spotten, weil er sich mitunter so kindisch verhält. Man muss sich empören, weil er in diesem Fall gegen den Geist der Pressefreiheit verstößt, die in der US-Verfassung prominent im ersten Zusatzartikel implementiert ist. Aber man darf nicht glauben, dass er zurücksteckt oder gar aufgibt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema